Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Eckpunkte zur biblischen Botschaft von Gott dem Schöpfer

- —Am Anfangž steht für Israel nicht der Glaube an Gott den Schöpfer, sondern die Erfahrung, daß «seinŽ Gott, d.h., der Gott, der sich Israel zum Bundesvolk erwählt hat, seine (Über-)Macht gegenüber den Ägyptern und ihren Göttern dadurch erwiesen hat, daß er das Volk aus Ägypten herausführte.
- Die Exodustheologie ist aber nicht nur historisch früher als die Schöpfungs-theologie, sondern auch deren Sachgrund: Der Gott vom Sinai wird von Israel zunehmend deutlicher bekannt als der Herr der Welt und als einziger Gott. Die Götter der Heiden hingegen sind Menschenwerk (Ps 135). Jahwes Macht wird durch nichts und niemanden eingeschränkt - nicht einmal durch seine Gegner (derer er sich bedient: Verstockungstheologie).
- In konsequenter Fortführung des Gedankens führt das im hellenistischen Judentum zu dem Bekenntnis: Gott hat die Welt - und den Menschen! - aus dem Nichts erschaffen (ex nihilo meint: non ex aliquo, d.h.: ohne ihn einschränkende Voraussetzung): 2 Makk 7, 28 (vgl. Hebr 11, 3: —Durch den Glauben erkennen wir, daß die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, so daß alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.ž)
- Bund und Schöpfung sind aufeinander bezogen: Die Schöpfung ist der äußere Grund des Bundes, der Bund der innere Grund der Schöpfung (Karl Barth).
- Die biblischen Schöpfungsvorstellungen sind unterschiedlich und nicht miteinander auszugleichen: Gen 1, 1- 2, 4a; Gen 2, 4b-25; Ps 8; Jes 45, 9.12.18; 2 Makk 7, 28).
Ihre Endgestalt gibt Gottes uranfänglicher Handlung den Vorrang - als Auftakt der menschlichen Entfremdung von Gott. Sie gibt zu erkennen, daß «SchöpfungŽ nicht gleichzusetzen ist mit «Ordnung des ChaosŽ.
Israels Glaube bezieht sich dabei - je verschieden - auf zeitgenössisch-konkurrierende Vorstellungen. Es verändert altorientalische Schöpfungsmythen - die heutzutage wissenschaftlich genannte Vorstellungen implizieren - im Licht seines Glaubens: Der Mythos begründet ätiologisch das Dasein und Sosein der Welt, weder garantiert noch erneuert seine Rezitation die Welt.
Beispiel: Die Spannung von 6 Schöpfungstagen und 8 Schöpfungswerken läßt die Aufnahme traditionellen Materials (z.B. aus dem Atramhasis-Mythos erkennen).
- Gott ist Schöpfer, d.h.: Die Welt ist nicht er selbst, sondern sein «WerkŽ, von ihm unterschieden. Das ist das (begrenzte) Recht, hierin ein entmythisierendes Weltverständnis zu vermuten: Die Materie ist weder göttlich noch widergöttlich.
- Erst mit der Schöpfung beginnt unsere Zeit und Wirklichkeit. Ihr Ziel ist (nicht die Erschaffung des Menschen, sondern) das Wohnen Gottes bei seinem Volk (Ex 31, 16f.).
- Gott (er)schafft durch «WortŽ und «TatŽ: —Himmel und Erdež (=  alles). Der Gedanke der grundsätzlich vollendeten Schöpfung schließt weiteres Wirken Gottes in der Geschichte nicht aus (Gen 2, 2 - Ps 74, 13ff.).
- Gott (er)schafft im Rhythmus der Woche: Das —Lied von der Schöpfungž begründet die (altorientalische) Woche —im Anfangž, also als gottgewollt - mit dem Ziel der Sabbatfeier. Diese stellt nicht nur den Bezug her zur Schöpfung, sondern auch zur Neuschöpfung: (nach)biblische Theologie eines —achtenž Tages.
- Die Entstehungsgeschichte (Genealogie: toledot) von Himmel und Erde zielt auf die Erlösung des Volkes Israel, ja aller Völker (Völkertafeln, Deuterojesaja).
- Gottes unsichtbares Wesen kann mit der Schöpfung (grundsätzlich) auch von Nichtgläubigen aus seinen Werken erkannt werden (Röm 1,20). Vgl. aber auch schon Ps 19, 2.4: —Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Feste verkündigt seiner Hände Werk ... ohne Sprache und ohne Worte, unhörbar ist ihre Stimme.ž)
- Weil Gott der Schöpfer ist, kann er auch das Heil realisieren (Jes 55).
- Prophetische (Jes 65, 17) und apokalyptische Schriften erwarten eine neue Schöpfung (äthHen 45, 4f.).
- Populäre dualistische Vorstellungen (Gnosis) werden von der Urgemeinde nicht aufgenommen: Gott ist —unser aller Vater..., der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, daß es sei.ž (Röm 4, 17)
- Gut hellenistisch heißt es von Gott: —Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.ž (Röm 11, 36)
- —Auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter [z.B. Aratus, Kleanthes]bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.ž (Apg 17, 25-29)
- Das NT verbindet Jesus mit der Schöpfungsaktivität Gottes (Sturmstillung, Brotwunder, Dämonenaustreibung, Sündenvergebung, Heilungen): —Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag, und ich wirke auch.ž (Joh 5, 17)
- Mit der Auferstehung Jesu beginnt die neue Schöpfung. Sie ist nicht nur Rückkehr eines früheren ursprünglichen Zustandes (keine bloße restitutio in integrum).
- Im Anschluß an weisheitliche Vorstellungen (Spr 8, 22-31), die hellenistische Logosvorstellung (Philo) und die rabbinische von der Schekinah (Einwohnung Gottes im Tempel) denkt Joh die —Fleischwerdungž des anfänglichen Schöpfungswortes (Joh 1, 1 - 14). Jesus ist die sichtbare Gestalt des Göttlichen (Abbild seines Wesens: uJpovstasi~, vgl. Hebr 1, 3):
- Nach Art der Exegese des Philo stellt Paulus dem ersten Adam Jesus Christus als den —zweiten Adamž gegenüber.
- Jesus Christus ist —das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfungž (Kol 1, 15ff). In ihm ist alles geschaffen, d.h. er ist Gottes Schöpfungsgrund: Gott schafft durch Jesus Christus. In Jesus Christus macht sich Gott als Schöpfer der Welt in verhüllter Weise bekannt.
- —Durch den Glauben erkennen wir, daß die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, so daß alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.ž (Hebr 11, 3)
- Die Verwechslung von Schöpfer und Geschöpf gilt als Grundform der Sünde (Röm 1, 25).
- Die Schöpfung im Anfang ist bezogen auf das Ende: Gottes Gericht bedeutet —neue Schöpfungž durch annihilatio mundi, Zerstörung der (sündigen) Welt.
- Die neue Welt (verdichtet im Bild des himmlischen Jerusalem) übersteigt alles bisher Bekannte, erweist sich jedoch als Erfüllung der —im Anfangž geschaffenen Welt - ohne das Böse. Das ist aus ihr ausgeschlossen.
 

18.11.2004 Referentin: Cathrina Smith
Argumente der Kreationisten

Inhalt der Evolutionstheorien: Alle Organismen sind in einem einzigen Stammbaum verbunden, an dessen Wurzel einzellige Organismen stehen. Der Artenwandel vollzieht sich in Populationen (=in Fortpflanzung miteinander stehende Angehörige derselben Art) , d. h. es genügt nicht die Änderung einzelner Tiere oder Pflanzen, sondern die Arten müssen sich als ganze ändern. Die Mechanismen (Konkurrenz, Auslese, Aussterben) der Evolution sind für den Veränderungsprozess notwendig erforderlich. Die Menschheitsgeschichte ist am äußersten zeitlichen Rand der Kosmosgeschichte angesiedelt.

Voraussetzung der Kreationisten (Schriftverständnis): Es ist die Absicht der Urgeschichtstexte, wirkliche Geschichte zu berichten, d.h. historisch-faktisch. Begründung: Der Schöpfungsbericht ist nach seiner literarischen Gattung (Textsorte) kein Gedicht, sondern ein Bericht. (Textauslegung)

Innerbiblische Zusammenhänge: Auf den Schöpfungsbericht und die Paradieserzählung (Mt 19, 3-8) und auch auf den Brudermord (Geschichte von Kain und Abel) und die Sintflut wird im Neuen Testament so Bezug genommen (Mt. 23,35; Hebr. 11,4; 12,24; Mt 24,37-39), dass wirkliche/ reale Ereignisse vorausgesetzt werden.
Anmerkung: Das Gegenteil wird gewöhnlich nicht durch die Textauslegung oder innerbiblische Zusammenhänge begründet, sondern mit dem Widerspruch zu evolutionstheoretischen Vorstellungen von der Geschichte des Menschen.

Erstes Argument: Es gibt (nur) Merkmale, die auf 6 natürliche Tage hinweisen: Der Tag (jom) wird im AT immer für den Erlebnistag benutzt (außer evtl. Hos 6,1f.) Die Schöpfungstage werden der Reihe nach gezählt (... ein zweiter ... dritter usw. Tag). Die Verwendung von Tageszeiten (Abend und Morgen)ist im Alten Testament nie bildlich. In den ersten Tagen war das (die) Licht(quelle) noch nicht die Sonne (1. Mose 1,3-5). Die 6-Tagearbeitswoche und der Sabbats in den Zehn Geboten wird aus der Schöpfungswoche von 6 Tagen und dem Ruhetag Gottes begründet (2. Mose 20,11; vgl. 31,17). Die Wendung —tausend Jahre wie ein Tagž(Ps 90,4) kann nicht als Argument eingesetzt werden, um damit etwas über die Dauer der ursprünglichen Schöpfung auszusagen, denn: In Psalm 90 besteht ein anderer Zusammenhang; Gottes Souveränität über die Zeit soll ausgedrückt werden, und dass Gott über dem flüchtigen Dasein des Menschen steht. In ähnlicher Weise wird diese Wendung im 2. Petrusbrief zitiert (2. Petr. 4,8). Aus menschlicher Sicht scheint die Wiederkunft Jesu lange, zu lange zu dauern, aus Gottes Sicht ist die Zeitspanne dagegen kurz.

2. Die Entstehung und das Aussterben von Fossilien widerspricht der sehr guten Schöpfung während der —Schöpfungswochež, in der es noch keinen Tod gab. Eine Welt ohne Tod und Katastrophen hinterlässt keine Lebensspuren unabhängig von der Länge ihres Bestehens. Argumente gegen die Lückentheorie (Vor Beginn des 6-Tagewerks liegt große Zeitspanne, so dass ab Gen 1,3 Wiederherstellung einer schon sehr alten Welt des Tohuwabohu geschildert wird.): Kein Anhaltspunkt im Text (wäre Hineinlegung, nicht Auslegung) Sprachliche Gründe: hebräisches Perfekt kann nicht mit: žDie Erde wurde Wüste und LeereÓ übersetzt werden. Hier werden Zustände, keine Ereignisse geschildert. Bei der Begründung des Sabbatgebots heißt es geschaffen (2. Mose 20,11) ? nicht wiederhergestellt. Fossilproblem bliebe bestehen, denn Fossilablagerungen zeigen Regelhaftigkeit, die dem nicht-Eingreifen Gottes im Tohuwabohu widersprächen. Die These Gen 1,1 sei Überschrift und nicht der erste Akt der Erschaffung, lässt offene Fragen: Wenn die Schilderung mit der —Tohuwabohuž-Erde zeitlich beginnt, wo kommt sie selbst dann her? Wer hat das Tohuwabohu geschaffen? (Es ist aber sonst in der Bibel klar, dass Gott alles geschaffen hat.)

Zweites Argument: Konsequent durchdachte Evolutionslehre schließt die direkte Schöpfung Gottes, sowie den geschichtlichen Sündenfall und eine weltweite Sintflut, aus. Nach der evolutionären Weltanschauung gibt es schon immer Strukturen und Verhaltensweisen, die ausschließlich zum Finden, Erbeuten, Verzehren und Verdauen lebendiger tierischer Nahrung benötigt werden; Einrichtungen für Parasitismus; aber auch Mechanismen der Feindabwehr. Insbesondere schon vor dem Auftreten des Menschen und unabhängig von dessen Sünde. Dagegen erzählt die Bibel von einem einschneidenden Umbruch in der Geschichte der Schöpfung. (Römer 8, 19-22; Römer 5,12-19; Gen 3,16-19; Gen 1,29 und 30; Gen 6,12) Die Bibel zeichnet zwei sehr gegensätzliche —Gesichter" der Schöpfung, neben dem schönen und angenehmen auch ein hässliches fallsgestaltiges (mit dem Sündenfall zu tun habendes). Die Bibel erklärt, dass die destruktive Seite nicht von Anfang an zur Schöpfung gehörte, sondern erst nachträglich durch eine (historische!) Person in sie eindrang. Problem: Die Frage nach dem Übergang von einer ursprünglichen in die heutige Ökologie ist auf biologischer und physikalischer Ebene nicht zu beantworten, da es keine entsprechende Erfahrungen aus dem heutigen, uns zugänglichen Bereich gibt. Lösungsansätze: Ein abrupter Umbruch, der die Bedingungen des jetzigen Daseins umfassend ändert, könnte durch —Steuerungsinstanzen" geschehen, die dem Ursprungsdasein —fremd", dem jetzigen Dasein ausdrucksgemäß sind. (z.B. wie bei Symbiose) Auch die (physikalischen) Eigenschaften der Materie müssen im Ursprungssystem von den heutigen Eigenschaften verschieden gewesen sein, sodass die anatomischen Merkmale sich nicht schmerzhaft und gefahrvoll auswirkten; oder die körperliche Konstitution anders gewesen sein, so dass die Schmerzen und Gefahren ausgeschlossen waren. (Bibel bietet eine Gedankenhilfe für eine andere Leiblichkeit als der uns bekannten in Jesus nach seiner Auferstehung.) Ein allmählicher Übergang von der ursprünglichen in die heutige Lebensweise der Organismen kommt nicht in Frage, wenn die Entstehung fallsgestaltiger Strukturen Makroevolution erfordert. Ein allmählicher Übergang von einem ganz anders organisierten Ökosystem in das heutige, wo alle Lebewesen ökologisch durch Fressen und Gefressenwerden miteinander verbunden sind, entzieht sich ebenfalls einer Erklärung durch bekannte biologische Prozesse. Mikroevolution Makroevolution  Variationsvorgänge auf der Basis bereits vorhandener Konstruktionen: Spezialisierungen an besondere Umweltbedingungen, Optimierungen einzelner Merkmale, Überlebensstrategien Entstehung neuer Konstruktionen/ Baupläne  Beispiel: Variation der Form des Hornschnabels von Vögeln (kurz und dick, fein und lang,...) Entstehung des Hornschnabel aus einem bezahnten Kiefer eines Vorläuferreptils (anderes Material, ...)

Argument gegen die Makroevolution: Die Entstehung neuer Grundtypen, sowie die Entstehung neuer Organe bzw. Bauteile wurde bislang nicht beobachtet. Die Entstehung neuer Arten findet statt, geht aber in der Regel mit einer Verarmung der genetischen Vielfalt der abgespaltenen Arten einher. Artentstehung ist aber keine Höherentwicklung. Daher passt Makroevolution nicht zum Schöpfungshandeln Gottes.

Argumente gegen die Harmonisierung von Schöpfung und Evolution (—Theistische Evolution": Gott erschuf mittels Evolution die Lebewesen, auch den Menschen.):
1. Plausibilität der Evolutionslehre
Argumentation: Die Ursprünge können nicht unmittelbar erforscht werden; darüber können nur mehr oder weniger plausible Szenarien entwickelt werden. Darüber gibt es zum einen keine zwingenden Belege für Evolution, zum anderen sind grundlegende Fragen im Rahmen des Evolutionsmodells ungelöst.

2. Religionsgeschichtliche Argumente (Urgeschichte ist Nachdenken über Gott Israels)
Argumentation: Eine schlüssige Begründung müsste an dieser Stelle den Nachweis liefern, dass der Ersatz der im Schöpfungsbericht enthaltenen vermeintlich altertümlichen naturwissenschaftlichen Vorstellungen durch das moderne (evolutionistische) Weltbild am Aussageinhalt nichts ändert.

3. Gottes Eigenart (Im Schaffen durch Evolution zeigt sich Gottes Allmacht und Genialität)
Argumentation: Diese Argumentation ist subjektiv und keine Aussage der Bibel. Was wir darüber denken ist nicht von Bedeutung. Gottes Schöpfungsmethode durch Evolution wäre eine destruktive Methode, die auf einem Überschuss an Tod von Individuen und Arten mit den dazugehörenden Begleitphänomenen beruht.

 4. Gottes andauerndes Schöpfungshandeln (sein beständiges Wirken in Gegenwart und Zukunft wird plausibel durch die Evolutionsanschauung)
Argumentation: Die Identifizierung von Schöpfungs- und Erhaltungshandeln ist problematisch, weil die heutige Welt eine Welt der Sünde, also nicht die der ursprünglichen Schöpfung ist. Den Begriff —Schöpfung" für das Erhaltungshandeln zu verwenden, würde eine Billigung des heutigen Zustandes suggerieren, die so nicht gegeben ist. Auch Jesu Wirken ist Einspruch gegen den Gegenwartszustand und Zeichen des Hereinbrechens der eschatologischen (=zukünftigen, im Sinne von Gottes souveränem Handeln)  Schöpfung.

5. Vergleich zwischen Stammesgeschichte und Individualentwicklung (Gottes Schaffen als wachsen lassen/ sich entwickeln lassen)
Argumentation: Die Unterschiede zwischen individueller und stammesgeschichtlicher Entwicklung sind grundlegend. Auch wenn ein Entwicklungsprozess prinzipiell als Wirken Gottes verstanden werden kann (wie in der Ontogenese), muss doch eigens begründet werden, weshalb die Art und Weise einer gedachten stammesgeschichtlichen Entwicklung mit dem biblisch bezeugten Schöpfungshandeln Gottes vereinbart werden kann.

6. Biblische Hinweise (Verwendung von —bara" auch für Vorgänge des Werdens; die Erde sprossen lassen (Gen 1,11.12), das Wasser wimmeln (1,20) und die Erde hervorbringen (1,24); —Es werde" im Sinne eines evolutiven Werdens und Wirkens; —Toledot" (—das ist die Geschichte von ...") mit —Evolutionsgeschichte" übersetzen; stammesgeschichtliche Verbundenheit zwischen Tieren und dem Menschen, da sie gleichermaßen als näphäsch bezeichnet werden)
Argumentation: Biblische Texte können die Akzeptanz einer Evolutionslehre weder begründen noch nahe legen, da sie keine offenkundigen Belege für eine evolutive Geschichtsdeutung enthält. Der Evolutionsgedanke wird in die Texte hineingelesen. Manche Textstellen können wohl isoliert betrachtet mit dem Evolutionsgedanken harmonisiert werden, legen ihn aber nicht nahe. Folgerung: Hätte Gott durch Evolution geschaffen, dann
1. Es gäbe kein erstes Menschenpaar (dagegen: Mt 19,3-8; Röm 5,12ff.). Damit bräche die Gegenüberstellung Adam ? Christus zusammen.
2. Gott hätte den Menschen als Sünder erschaffen. Die Rechtfertigung des Sünders durch den stellvertretenden Sühnetod Jesu würde keinen Sinn mehr machen.
3. Gott hätte den Tod als schöpferisches Mittel eingesetzt. In biblischer Sicht ist der Tod jedoch ein Feind (1 Kor 15,26) und er ist durch Jesus entmachtet worden (2 Tim 1,10). tiefgreifende Konsequenzen für die neutestamentliche Heilsbotschaft Disskussion: Unterscheidet sich bei anderen Voraussetzungen auch die (Heils-)Botschaft? Wolf Krötke in Erschaffen und Erforscht (Berlin, 2002): Die Schöpfungsberichte sind Mythen, —welche Erfahrungen aus der Welt des Erlebens mit Ursprungsgeschichten zur Geltung bringenž. Sie sind —als zeitbedingte Einsichten zu verstehen, die von anderen Einsichten überboten werden können.ž(S.32) Er kommt aber zu dem Schluss, dass —diese Welt ein guter Ort für die Menschheit seiž, weil sie sich Gott verdankt. (S.36) ? Bejahung eines Lebens in seinen Grenzen. Allerdings begründet die Christusgeschichte —die Hoffnung, dass Gott diese Welt und die Menschheit einmal im Reiche Gottes vollenden wird.ž (S. 37) ? diese Schöpfung ist nicht das Ende der Wege und Werke Gottes.
Quelle:
http://www.genesisnet.info

Literaturhinweise von genesisnet:
Reinhard Junker, Leben durch Sterben? Schöpfung Heilsgeschichte und Evolution. Studium Integrale. Neuhausen, 1994. Reinhard Junker: Jesus, Darwin und die Schöpfung. Warum die Ursprungsfrage für die Christen wichtig ist. Holzgerlingen, 2. Auflage 2004. Werner Gitt, Schuf Gott durch Evolution?, Neuhausen. Erläuterungen: Fossilien sind Zeugnisse vergangenen Lebens. Sie sind aber besonders eindrucksvolle Zeugnisse des Todes, nicht selten eines gewaltsamen Todes. Unter den Fossilien sind nahezu von Beginn ihres Auftretens (das heißt etwa mit dem Kambrium) auch zahlreiche räuberische und parasitisch lebende Tiere bekannt. Deshalb muss die Bildung auch der frühesten Schichtgesteine mit Tierfossilien nach dem Sündenfall der ersten Menschen angesetzt werden. Bibelstellen zum 2. Argument Römer 8, 19-22 Die gesamte außermenschliche Schöpfung (griech. ktisis) seufzt, ist nichtig und vergänglich. Diese Existenzweise der Schöpfung kann nicht die ursprüngliche sein kann, wie sie aus Gottes Schöpferhänden kam. Die Schöpfung wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Das Verhängnis des Unterworfenseins unter die Knechtschaft der Vergänglichkeit gilt nicht grundsätzlich, sondern es kennt einen Anfang und ein Ende (ausgedruckt im griechischen durch die Zeitform des Aorist). Unterworfensein ist Folge des Sündenfalls des Menschen und kennzeichnet somit erst nachträglich die Schöpfung. Es wird eine neue Schöpfung geben, in der es keine Vergänglichkeit und das mit ihr verbundene Seufzen und Geknechtetsein mehr geben wird. Vgl. Römer 5, 12 und 18: Wie Jesus eine bestimmte Person ist, die als Jesus aus Nazareth auf dieser Erde gelebt hat, so war es auch Adam. Somit bezeugt Paulus mit diesen Sätzen in Römer 5, dass eine historische Person das Einfallstor des Todes in diese Welt war. Nach diesem Zeugnis kann also der Tod nicht als Schöpfungsmittel angesehen werden, sondern als Folge der Sünde. Vgl. Gen 3,16-19: Hier werden einige Hinweise dafür gegeben, dass mit dem Sündenfall Umbrüche und einschneidende Veränderungen auch im physikalisch-chemischen und biologischen Bereich einhergingen (Mühsal der Frau in der Schwangerschaft und bei der Geburt, Verfluchung des Ackers ? um des Menschen willen, V. 17). Hier wurde die Außenwelt verändert. Es wird deutlich, dass die Konsequenzen des Falls nicht auf die Innenwelt des Menschen beschränkt werden können. In V. 19 ist außerdem vom physischen Tod die Rede, vom Zurückkehren zum Staub. Vgl. Gen1,29 und 30: Tieren und Menschen werden Pflanzen als Nahrung zugewiesen. Gen 6,12: —alles Fleisch seinen Weg auf Erden verdorben" Das frühere Urteil des Schöpfers über seine Schöpfung (—alles war sehr gut"; 1. Mose 1,31) ist ins Gegenteil verkehrt worden. Mit der Wendung —alles Fleisch" ist die gesamte Menschen- und Tierwelt gemeint. Der Auferstehungsleib Jesu. Eine Gedankenhilfe dafür, dass eine andere Leiblichkeit als die uns bekannte möglich ist, bieten die neutestamentlichen Berichte von der Auferstehung Jesu. Einerseits wird in diesen Schilderungen großen Wert darauf gelegt, dass Jesus leiblich auferstand (er konnte angefasst werden, er aß etwas), andererseits wird bezeugt, dass Jesus durch geschlossene Türen gehen konnte. Wenn wir das versuchen würden, gäbe es mindestens blaue Flecken. Jesu Auferstehungsleiblichkeit war offenbar eine andere, wie auch der Auferstehungsleib der Gläubigen von anderer Qualität sein wird (vgl. 1. Kor 15,42+43). So kann man sich denken, dass die Leiblichkeit des Menschen, die noch nicht durch die Sünde betroffen war, von der heutigen Beschaffenheit verschieden war. Dabei kann jedoch nichts Sicheres darüber gesagt werden, inwiefern die ursprüngliche Leiblichkeit vor dem Sündenfall der künftigen Auferstehungsleiblichkeit gleicht. Verständnis des Sühnetods Der Zugang zum Schöpfer ist offen, weil Jesus Christus durch sein Sterben und seine Auferstehung diesen Weg eröffnet hat. Jesu Auferstehung bedeutet die Überwindung des Todes und damit der Knechtschaft der Vergänglichkeit. Die Auferstehung ist denen verheißen, die ihm nachfolgen. Design-Theorie (auch kritisch) Zur Schaffung durch Evolution: Ein durch Evolution schaffender Gott hätte sich also einer Methode bedient, die höchst ineffizient, in keiner Weise vorausschauend und ausgesprochen stümperhaft wäre. Welcher Gott stünde hinter einer solchen Schöpfungsmethode durch Evolution? Wäre die stammesgeschichtliche Evolution die Schöpfungsmethode Gottes, hieße das beispielsweise, dass der Schöpfer auf der frühen Erde eine —Ursuppe" Hunderte von Millionen Jahren existieren ließ, um ein erstes Bakterium zu erschaffen, oder dass er Mord und Kannibalismus benutzte, um affenähnliche Wesen in Menschen zu verwandeln. Und so kann man viele weitere Beispiele anfügen. Die bekannten Evolutionsmechanismen können also kaum als Ausdruck schöpferischen Handelns gewertet werden. Sie sind vielmehr nur in der Lage, vorhandene Strukturen zu erhalten (durchaus auch zu optimieren). Es handelt sich sozusagen um —Erhaltungsmechanismen", nicht um —Schöpfungsfaktoren". Und dass diese Faktoren teilweise destruktiv sind, hängt mit der Todesverfallenheit der Schöpfung infolge des göttlichen Gerichts über die Sünde zusammen Astronomie, Astrophysik, Kosmologie: Das Standardmodell Das Standardmodell (Urknallmodell) ist die momentan allgemein anerkannte Theorie›zur Entstehung des Universums. Die grundlegenden Konzepte werden›eingeführt und kritisch diskutiert. Es wird deutlich, dass das Standardmodell primär eine theoretische Angelegenheit›ist und zahlreiche Komponenten enthält, die nicht überprüft werden können. Es enthält außerdem›zahlreiche›offene Fragen. Anomale Rotverschiebung Es gibt heute zahlreiche Beobachtungen, die dem Hubble-Gesetz zu widersprechen scheinen oder sich im Sinne des Hubble-Gesetzes nicht befriedigend interpretieren lassen. Obwohl entsprechende Beobachtungen seit über 30 Jahren regelmässig publiziert werden, werden sie von der Fachwelt bisher praktisch vollständig ignoriert. Sie sind ein Zeichen dafür, dass es bislang im Universum noch mehr unverstandene Phänomene gibt als›gewöhnlich eingestanden. Mikrowellenhintergrund (Hintergrundstrahlung) Die Entdeckung des kosmischen Mikrowellenhintergrundes 1965 wurde als die wichtigste kosmologische Entdeckung gefeiert und erhob das Standardmodell zur allgemein anerkannten Theorie des Universums. Allerdings konnte er nur z.T. vorhergesagt werden. Der Mikrowellenhintergrund ist zwar eine Bestätigung für das Standardmodell, kann aber möglicherweise auch in anderen Kosmologien untergebracht werden. Die Deutung des Mikrowellenhintergrundes im Sinne des Standardmodells ist nicht zwingend. Die Erklärung des Standardmodells ist nicht einzigartig, was manchmal behauptet wird. Dennoch ist sie gegenwärtig die beste Erklärung. Häufigkeit der leichten Elemente im Universum Das Universum enthält relativ viel Helium und andere leichte Elemente. Warum ist das so? Es wird dargelegt, warum dieser Befund gut zum Standardmodell mit einer heißen frühen Ära passt. Wie aber an anderer Stelle auch, konnten die Parameter der Theorie nicht vorhergesagt werden, sondern wurden im Nachhinein angepasst. Quasi-steady-state cosmology Seit der Entdeckung des Mikrowellenhintergrundes 1965 wurde die Steady-state Kosmologie, die für den Strahlungshintergrund keine Erklärung bot, nicht mehr als ernstzunehmende Alternative zum Standardmodell betrachtet. 1993 erlebte das Steady-state Modell mit der Begründung der Quasi-steady state cosmology aber eine Renaissance. Die Quasi-steady-state cosmology vermag die grundlegenden Phänomene des Universums zu erklären. Dadurch könnte sie zu einer Alternativen›zum Standardmodells werden. Halton Arp Halton Arp ist ein bekannter Beobachtungsastronom, der zahlreiche›Objekte›beobachten konnte, die dem Hubble-Gesetz zu widersprechen scheinen. Durch diese Beobachtungen wurde er zu einem völlig neuen Verständnis des Universums geführt. In diesem Universum wird laufend Materie in neu gebildet und in Form von Quasaren aus Galaxien —herausgeschleudert".
 

13.1.05 Referent: Dominik Rzepka

1.) Einordnung der darwinschen Evolutionstheorie in den zeitlichen Rahmen
- Vorüberlegungen von Carl von Linné (1707 ? 1778: —Deus creavit,
Linnaeus disposuit"), George Cuvier (1769 ? 1832), James Hutton
(1795: geologischer Gradualismus), Charles Lyell (1797 ? 1875:
Aktualismus), Jean Baptiste Lamarck (1744 ? 1829: Gebrauch und
Nichtgebrauch; Vererbung erworbener Merkmale)
- Charles Darwin (1844), Alfred Wallace (1858): Theorie der natürlichen
Selektion
- 1859: Veröffentlichung —Die Entstehung der Arten" (Reise mit der
Beagle bereits im Dezember 1831, Beobachtungen der Fauna auf den
Galapagos-Inseln).
 

2.) Evolution nach Darwin: Gemeinsame Abstammung mit fortwährender
Modifikation
a) Evolution ist ein historisches Ereignis
b) Die natürliche Selektion ist ihr Mechanismus (Theorie)

- Darwin erkannte die Einheitlichkeit aller Lebensformen, indem er sie
allesamt von einem unbekannten gemeinsamen Prototyp herleitete, der
in der fernen Vergangenheit gelebt hatte.
- Aus darwinistischer Sicht ähnelt die Geschichte des Lebens einem
Baum, dessen Stamm zahlreiche Äste bildet, die sich immer weiter
verzweigen bis hin zu den frischen Trieben, welche die gegenwärtige
Mannigfaltigkeit an Lebewesen symbolisieren.

Zu a) s. Absatz 3, —Spuren der Evolution"

Zu b) Theorie der natürliche Auslese (Selektion) und Anpassung basiert
auf fünf Beobachtungen und drei Folgerungen (nach Ernst Mayr, 1982):

Beobachtung 1: Alle Arten weisen ein derart hohes Fortpflanzungspotential
auf, dass ihre Populationsgröße exponentiell zunehmen würde, wenn alle
Individuen, die geboren werden, sich erfolgreich fortpflanzen würden.

Beobachtung 2: Die meisten Populationen sind normalerweise mit
Ausnahme saisonaler Schwankungen in ihrer Größe stabil.

Beobachtung 3: Die natürliche Ressourcen sind begrenzt.

Folgerung 1: Die Produktion von mehr Nachkommen, als die Umwelt
tragen kann, führt unter den Individuen einer Population zu einem Kampf
ums Überleben, wobei in jeder Generation nur ein Bruchteil des
Nachwuchses überlebt.

Beobachtung 4: Die Individuen einer Population variieren enorm in ihren
Merkmalen; keine zwei Individuen sind exakt gleich.
Beobachtung 5: Ein Großteil dieser Variabilität ist erblich.

Folgerung 2: Das Überleben im Existenzkampf beruht nicht auf Zufall,
sondern hängt unter anderem von den Erbanlagen der überlebenden
Individuen ab. Die durch ihre ererbten Merkmale am besten an die Umwelt
angepassten Individuen hinterlassen wahrscheinlich mehr Nachkommen
als weniger gut angepasste.

Folgerung 3: Die ungleichen Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeiten
von Individuen führen zu einem graduellen Wandel in einer Population,
wobei sich vorteilhafte Merkmale im Laufe der Generationen anhäufen.

Die natürliche Selektion ist dieser unterschiedliche Fortpflanzungserfolg,
und ihr Produkt ist die Anpassung der Lebewesen an ihre Umwelt.

Variabilität beruht auf Mutationen (Bsp. Punktmutationen) und genetischer
Rekombination (s. 3. Mendel´sche Regel). In jeder Generation stellen
Umweltfaktoren erbliche Varianten auf die Probe und begünstigen einige
gegenüber anderen.

Selektion kann unterschieden werden in stabilisierende, gerichtete und
disruptive Selektion.

Auf genetischer Ebene ist der Genpool einer Population wichtig.
Die Entstehung neuer Arten geschieht, wenn sich zwei Populationen einer
Art nicht mehr kreuzen (können), z.B. weil sie geografisch voneinander
getrennt sind (geografische Isolation). Die Darwinfinken auf den
Galapagos-Inseln sind hierfür das bekannteste Beispiel.
 

3.) Indizien für die natürliche Selektion als Mechanismus der Evolution oder: Die
Evolution hinterlässt sichtbare Zeichen.
- zahlreiche Feldstudien (neuerdings insbesondere Laborversuche an
Drosophila melanogaster)
- Bsp.: Die Evolution der Schnabelform bei einem Darwinfink
- Fossilbelege
- Vergleichende Anatomie (homologe Strukturen lassen die Abstammung
aller Säugetiere von einem gemeinsamen Vorfahren als wahrscheinlich
erscheinen: Die Vorderbeine, Flügel, Flossen und Arme verschiedener
Säugetiere sind Variationen eines gemeinsamen anatomischen
Konzepts, das für unterschiedliche Funktionen modifiziert wurde).

- Vergleichende Embryologie
- Molekularbiologie: Sogar mit Prokaryoten (Bakterien ohne Zellwand,
evolutiv sehr alt) hat der Homo sapiens etwas gemeinsam, nämlich
gewisse Proteine (Cytochrom c). Genetischer Code ist universell.
- Die Erkenntnis, das Leben habe sich entwickelt, beruht auf historischen
Belegen, nämlich genau jenen obigen Spuren der Evolution. Die
Evolution der Organismen gilt bei nahezu allen Biologen als historische
Tatsache.

4.) Ist die Evolutionstheorie —bloß eine Theorie"?
Antwort: Ja und nein.
- Nein, denn die Evolution gilt heute bei einem sehr großen Teil der
Biologinnen und Biologen als historische Tatsache (aufgrund der im 3.
Absatz aufgelisteten —Spuren der Evolution"). Evolution ist beobachtbar.
Die Erkenntnis, das Leben habe sich entwickelt, beruht auf historischen
Belegen.
- Ja, denn Darwin trennte zwischen der Evolution als historischem
Ereignis und der Theorie zur natürlichen Selektion als ihr
Mechanismus. Erstgenanntes Phänomen (Evolution) ist eine
beobachtbare Tatsache. Zweitgenannter Mechanismus (natürliche
Selektion) ist eine Theorie. Jedoch ist der Begriff —Theorie" in der
Naturwissenschaft umfassender als eine Hypothese (Die Begriffe
—Hypothese" und —Theorie" werden oft fälschlicherweise als Synonym
benutzt).

Selektion ist allerdings sehr wahrscheinlich und ebenfalls beobachtbar.
Bsp.: Die Evolution der Schnabelform bei einem Darwinfink (—Natürliche
Selektion in Aktion")

5.) Die Evolution des Menschen
a) Einordnung des Menschen in den Stammbaum
- Der Mensch ist ein Säuger (Mammalia). Kennzeichen u.a.:
Milchdrüsen, Haare, innere Befruchtung, heterodontes Gebiss
- Evolution der Mammalia: älteste Fossilien von Säugern: 220 Mio. Jahre
- Vorfahre der Säuger: säugerähnliches Reptil (Therapsida)
- Adaptive Radiation während der späten Kreide und des frühen Tertiär
(vor etwa 70 bis 45 Mio. Jahren) führte zu der Ordnung placentaler
Säugetiere, wie wir sie heute kennen: 4 Äste bekannt, der vierte Ast
sind die Primaten ? Rodentia
- Ordnung Rodentia = Nagetiere
- Ordnung Primates = Halbaffen, Affen, Menschenaffen und der Mensch

b) Der Mensch
- Australopithicinen: Die ersten Menschen (etwa 4,4 Mio. Jahre alt,
Aufspaltung Menschen - Menschenaffen vermutlich vor 6 ? 8 Mio.
Jahren)
- Australopithicus afarensis: Bekanntestes Fossil (Lucy) ist 3,18 Mio.
Jahre alt (1 m groß, aufrechter Gang, menschenähnliche Hände und
Zähne, Gehirn ein Drittel so groß wie das heute lebender Menschen)
- Homo habilis (—geschickter Mensch"): vor ca. 2,5 Mio Jahren
(Vergrößerung des Gehirns, Fund einfacherer Steinwerkzeuge)
- Homo erectus: lebte vor etwa 1,8 ? 0,3 Mio. Jahren in Afrika, war
größer als homo habilis, größeres Gehirn (Volumen: 1200
Kubikzentimeter). Lebte in Hütten oder Höhlen, machte Feuer, kleidete
sich in Tierhäute und stellte Steinwerkzeuge her. (Nachfahren:
Neandertaler)
- —Auswanderung" nach Europa/Asien vor etwa 1,5 Mio. Jahren
- Hier entstand dann evtl. geografische Vielfalt des Menschen
(polyphyletsiches oder auch multiregionales Modell)
- Homo sapiens: älteste Fossilien sind 100.000 Jahre alt (die
bekanntesten aus der französischen Cro-Magnion-Höhle 35.000 Jahre)

- 2 Modelle für den Ursprung des modernen Menschen
a) multiregionales Modell (die moderne Menschheit entstand in
vielen verschiedenen Teilen der Welt)
b) monogenetisches Modell (die moderne Menschheit entstand
ausschließlich in Afrika, von wo aus sie sich vor relativ kurzer
Zeit ausbreitete)

6.) Diskussion
- Die Evolution ist ein historisches Ereignis. Der erste Schritt der
Evolutionstheorie ist wissenschaftlich gesehen mit dem ersten
Schöpfungsbericht nicht vereinbar, solange dieser ebenfalls den
Anspruch hat, die Entstehung der Erde und Arten wissenschaftlich
erklären zu wollen. Die Erde und die Vielfalt der Arten wurden nicht in
einer Schöpfungswoche geschaffen. Auch wenn die Erklärungen der
Menschen vor ca. 2500 Jahren falsch gewesen sind: Ist die
Kernaussage (welche ist es?) nicht dennoch nach wie vor gültig?
- Die große Mehrheit der Biologinnen und Biologen erkennt in der
Evolution also eine historische Tatsache und auch das Theoretische an
der Evolutionstheorie (Theorie der natürlichen Selektion als der
Mechanismus der Evolution), wird durch Versuche untermauert.
Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für den Dialog zwischen
Naturwissenschaftlern und Theologen?
 
 

20.1.05 Referent: Dipl. ing Wolfgang Schultz
Evolution - Schöpfung

ADAMS, DOUGLAS (ENGL SCHRIFTSTELLER, AUTOR): ES GIBT EINE THEORIE, DIE BESAGT, WENN JEMALS IRGENDWER GENAU HERAUSFINDET, WOZU DAS UNIVERSUM DA IST UND WARUM ES DA IST, DANN VERSCHWINDET ES AUF DER STELLE UND WIRD DURCH NOCH ETWAS BIZARRERES UND UNBEGREIFLICHERES ERSETZT. - ES GIBT EINE ANDERE THEORIE, NACH DER DAS SCHON PASSIERT IST
1.0. Fragen
1.1. Warum glauben wir?   Kein Löwe betet. Keine Gazelle glaubt. Nur der Mensch kennt Glaube, Liebe, Hoffnung. Nur Menschen besitzen Verstand.
Für Juden, Muslime und Christen ist Gott personaler und universeller Schöpfergott, der den Kosmos aus dem Chaos geschaffen hat, mit dem Menschen als Höhepunkt.
Feuerbach, der scharfe Kritiker jeden Jenseitsglaubens, schrieb: "Gott ist nichts anderes als das in die Unendlichkeit des Himmels projizierte Wesen des Menschen. Die Menschen sollten an sich selbst glauben, statt an ein Spiegelbild ihres eigenen Wesens".
Für Karl Marx war Religion der "Seufzer der bedrängten Kreatur", "Opium des Volkes", eine schädliche Droge, um die Menschen von der Schaffung des Paradieses auf Erden abzuhalten. Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, sah in Religion lediglich eine psychische Störung, eine Art universelle Zwangsneurose:
Neben der philosophischen, sozialwissenschaftlichen und psychologischen Kritik am Glauben trat die naturwissenschaftliche. Je mehr die Forschung über die Entwicklung der Erde und die Evolution des Lebens herausfand, desto weniger waren die Ergebnisse mit den Schöpfungsmythen der Religionen vereinbar.
1.2. Glaube - ein Produkt der Chemie oder Gott eine Formel?      Albert Einstein, der der Träger des Nobelpreises für Physik des vergangenen Jahrhunderts, hielt am Gedanken fest, dass es hinter dem sinnvollen Aufbau unserer Welt eine Art Ordnungsprinzip geben müsse: "Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. Die gängige Vorstellung, ich sei Atheist, beruht auf einem großen Irrtum." Auch Stephen Hawking, der große Physiker der Gegenwart, hat versucht, eine Brücke zwischen Wissen und Glauben zu schlagen: "Wenn Sie wollen, können Sie sagen, Gott sei die Verkörperung der physikalischen Gesetze. Ähnlich sieht es der katholische Denker und Kirchenkritiker Eugen Drewermann: "Wir können vom Geist und von der Materie nicht mehr so sprechen, wie wir es im christlichen Abendland gewohnt waren. Wir erkennen, dass Geist eine Struktureigenschaft aller komplexen Systeme ist. Sinn stellt sich auf dem Weg der Evolution selber her. Gott ist in diesem Sinne etwas, das sich in der Welt und mit der Welt selber entfaltet.
Zu einer solchen Vorstellung von Gott passt kein Alleinvertretungsanspruch irgendeiner Religion mehr. Weil immer mehr Menschen den einen Glauben hinter allen Glaubensformen suchen; die eine Wahrheit, der alle Religionen nahe zu kommen versuchen. In ihrem Kern nämlich gleichen sie sich. In allen geht es um den einen unfassbaren Gott oder die eine unfassbare kosmische Kraft. Namen wie Brahma, Tao, Jahwe, Gott oder Allah sind sprachliche Fassungen für das Unfassbare. Jede Feindschaft zwischen den Religionen ist von daher vollkommen unsinnig
1.3. Mensch sein? Das alte Denken der Kirchen und Konfessionen ist wie das der alten Physik: Wo ein Objekt ist, kann kein anderes sein; wo ein Glaube herrscht, ist für einen anderen kein Platz; wenn einer wächst, muss ein anderer weichen. Moderne Systemtheorie sieht das anders. Es geht immer um ein Ganzes, dessen Teile voneinander abhängen. Wer andere verdrängt, beschädigt das Ganze und damit sich selbst. Wer wächst, bereichert auch alle anderen. Keiner besitzt die volle Wahrheit, jeder nur Elemente von ihr. Austausch und gegenseitige Ergänzung bereichern alle. Religionen bilden ein Netzwerk. Glaube ist ein Prozess. Drewermann: "Menschsein besteht darin, Träume zu haben, die wirklicher sind als die gottverdammte Wirklichkeit. Religiöse Visionen widerlegen das, was wir wirklich nennen. Nur deshalb ist Religion ein Ort von Hoffnung."
1.4. Gott in den Genen? Also, oder gar: "Hat man Gott in den Genen? Aus Stern.de 25-11-04. Der Glaube an Gott hängt nach einer britischen Zwillingsstudie zu 40 Prozent von den Genen ab. Wie die Zeitung "The Daily Telegraph" berichtete, befragte Professor Tim Spector, Leiter eines Zwillingsforschungsprojekts am Londoner St. Thomas Hospital, dafür 1600 Zwillingspaare. Die Bereitschaft zum Kirchgang wird demnach nicht vererbt, sondern hängt wesentlich von der Erziehung ab. "Wenn wir aber danach fragten, wie stark ihr Glaube an Gott sei, stellten wir einen vererbten Effekt von 40 Prozent fest", sagte Spector.

2.0. Grundlagen / Definitionen
2.1.    Evolution   Siehe auch Anlage
Theorie der Evolution   Eine Theorie der Evolution versucht die historische Abfolge der einzelnen Entwicklungsstufen zu rekonstruieren und Gesetzmäßigkeiten ihrer Entwicklung zu ermitteln.
Evolution in einzelnen Wissenschaften
Viele Wissenschaften setzen sich mit einem Ausschnitt dieser Entwicklungsstufen auseinander:
o Physik: Physikalische Evolution (Evolution der Naturgesetze, des Weltalls, Urknalltheorie, Elementarteilchen, Atome; siehe Kosmologie)
o Chemie: Chemische Evolution (Moleküle, Biomoleküle)
o Biochemie: Stoffwechsel, Prae- und Protobionten
o Biologie: Biologische Evolution (Zellen, Gewebe, Individuen, Populationen, Art, Ökosysteme)
o Soziologie: speziell: Herbert Spencer; in den meisten Theorien, welche sich mit sozialem Wandel beschäftigen
Informatik: Im Bereich Evolutionärer Algorithmus werden Prinzipien der Evolutionstheorie zur Lösung von Optimierungsproblemen verwendet.
 

2.2. Schöpfung    Die Schöpfung ist in verschiedenen Religionen die Bezeichnung für die Erschaffung der Welt, der Dinge und der Entstehung des Menschen, meist durch eine eigenständige Macht (Gott). Die Schöpfung wurde und wird vielfach thematisiert.
Sie ist im religiösen Sinne die Erschaffung der Welt durch einen göttlichen Akt. In fast allen Religionen gibt es Versuche, die Welt und ihre Ordnung von ihrem Ursprung her aufzuhellen und zu erklären. In der Antike diente dazu der Mythos. Im Judentum, Christentum und Islam bezeichnet Schöpfung die Erschaffung alles Seienden aus dem Nichts durch das allmächtige Wort Gottes. Die christliche Schöpfungslehre gründet sich auf die beiden in Einzelheiten sehr unterschiedlichen "Schöpfungsberichte" des Alten Testaments Die Welt ist im Alten Testament nicht göttlich, sondern der Herrschaftsbezirk des Menschen. Die göttliche Herkunft der Welt schließt für Israel und das Christentum naturwissenschaftliche Erklärungsversuche nicht aus, widerspricht aber jedem Versuch einer Vergötzung der Schöpfung. Die Lehre von der Schöpfung hat in der katholischen Dogmatik besondere Akzente, denen gegenüber die evangelische Auffassung die wesensmäßige Selbständigkeit Gottes gegenüber der Schöpfung und die Abhängigkeit der Schöpfung von Gott betont.

Ein Schöpfungsmythos ist eine zumeist theologische oder religiöse Erklärung zur Entstehung der Welt und des Universums. Manchmal wird in Schöpfungsmythen auch der Ursprung des Menschen und sein Stand in der Welt durch den Mythos begründet.
Bekannte Schöpfungsmythen
1. Archaische Mythen
2. Babylonischer Schöpfungsmythos
3. Ägyptische Mythen
4. Zarathustra-Mythos
5. Germanische Schöpfungsgeschichte
6. Griechische Mythologie
7. Biblische Schöpfungsmythen

Genesis 1,1-2,4a Hier wird in stark formalisierter Sprache das bekannte Sieben-Tage-Schöpfungswerk beschrieben. Am Anfang eines jeden Tages steht das Wort Gottes, gefolgt von der Bestätigung "und es geschah so". Gott betrachtet sein "Tageswerk" und "sah, dass es gut war". Am Ende des Tages wird aus "Abend und Morgen" der nächste Tag.
Direkt auf die erste Version folgt eine zweite:
Genesis 2,4b-25 "Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte." Die einzelnen Schöpfungstaten folgen in anderer Anordnung. Jetzt ist die Erde zunächst trocken, eine unfruchtbare Steppe. Gott erschafft zuerst die Menschen, dann die Pflanzen. Die zweite Schöpfungsgeschichte mündet in die Erzählung vom Garten Eden.
Beide Überlieferungen geben gemeinsame Grundgedanken - Prinzip Schöpfung - wieder -etwa:
o Wurde die Welt erschaffen, oder war sie schon immer da?
o Ist der Schöpfer nur Ursprung (Deismus), oder begleitet er die Welt handelnd weiter (Theismus)?
o Existierte vor der Schöpfung bereits so etwas wie Materie, die durch den Schöpfer geformt wurde, oder hat der Schöpfer alles (Materie, Form und Raum) erschaffen?
o Ist die Schöpfung mit dem Schöpfer identisch (Pantheismus, Panentheismus)?
o Wenn es eine Schöpfung gibt - was ist ihr Ziel

Marxistische Theorie: Die Evolution, die Entwicklung von Natur und Gesellschaft, die Ökonomie entwickeln sich gesetzmässig, also unabhängig vom Bewusstsein der Menschen von Niederen zum Höheren.

2.3. Thermodynamik   Die Thermodynamik ist eine rein makroskopische Theorie, die davon ausgeht, dass sich die physikalischen Eigenschaften eines Systems hinreichend gut mit makroskopischen Zustandsgrößen beschreiben lassen.
Dabei werden intensive Zustandsgrößen (wie Temperatur T, Druck p und chemisches Potential µ) von extensiven (wie inneren Energie U, Entropie S, Volumen V und Teilchenzahl N) unterschieden.
Die Arbeit W und die Wärme Q sind keine Zustandsgrößen, da sie das System nicht in eindeutiger Weise zu einem festen Zeitpunkt charakterisieren.
Die Gleichungen, die konkrete Zusammenhänge zwischen den Zustandsgrößen für spezielle physikalische Systeme (z.B. ideales Gas) liefern, heißen Zustandsgleichungen.
Die Thermodynamik kann vollständig auf vier Axiome, den vier Hauptsätzen, aufgebaut werden. Diese Axiome sind in ihrer ursprünglichen Formulierung - entsprechend ihrer Entstehung (sie beruhen auf einer großen Anzahl an konkreten Beobachtungen) - reine Erfahrungssätze.

Nullter Hauptsatz   Wenn ein System A sich mit einem System B sowie B sich mit einem System C im thermischen Gleichgewicht befinden, so befindet sich auch A mit C im thermischen Gleichgewicht.

Erster Hauptsatz  Der Erste Hauptsatz der Thermodynamik ist der Satz der Energieerhaltung: Jedes System besitzt eine extensive Zustandsgröße innere Energie U. Diese kann sich nur durch den Transport von Energie in Form von Arbeit (dW) und Wärme (dQ) über die Grenze des Systems ändern,

Zweiter Hauptsatz  Der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass es eine extensive Zustandsgröße Entropie S gibt, die in einem abgeschlossenen System niemals abnimmt
Statistische Interpretation  Die statistische Interpretation des Zweiten Hauptsatzes ist: ein abgeschlossenes System, sich selbst überlassen, wird immer den Zustand größter Unordnung anstreben.

Der Dritte Hauptsatz wird auch mit "Unerreichbarkeit des absoluten Nullpunktes" beschrieben. Mit der Entropie geht nämlich auch die Wärmekapazität gegen 0 was bedeutet, dass immer größere Energiemengen aufgewendet werden müssen, um die Temperatur zu erniedrigen.
Eine andere Formulierung des Dritten Hauptsatz besagt, dass die Entropie im Falle einer Temperatur beliebig nahe Null gegen einen festen Grenzwert S0 strebt:

Zusammenfassung
1. Hauptsatz: Man kann weder Energie gewinnen, noch verlieren.
2. Hauptsatz: Es gibt keine Maschine, die Wärme vollständig in andere Energie umwandeln kann.
3. Hauptsatz: Der absolute Nullpunkt der Temperatur ist unerreichbar.

Entropie, anders gesagt  von R. Clausius eingeführte Rechengröße, die in der Wärmelehre den Zustand eines Systems (Gas oder Flüssigkeit) charakterisiert. Nach dem 2. Hauptsatz der Wärmelehre kann die Entropie bei Zustandsänderungen des Systems nicht abnehmen (Entropiesatz), z. B. kann mechanische Arbeit zwar vollständig in Wärme, nicht aber Wärme vollständig in mechanische Arbeit umgewandelt werden. L. Boltzmann erkannte, dass der Entropiesatz gleichbedeutend ist mit folgender Wahrscheinlichkeitsaussage: Die auf die einzelnen Moleküle eines Körpers verteilte Bewegungsenergie geht stets von einem weniger wahrscheinlichen Verteilungszustand in einen wahrscheinlicheren über, nicht aber umgekehrt. Sind z. B. alle Luftmoleküle zu Anfang in einer Ecke eines Zimmers, so verteilen sie sich gleichmäßig in diesem Zimmer: die Entropie nimmt zu. Es ist jedoch praktisch ausgeschlossen, dass umgekehrt die gleichmäßig verteilten Moleküle sich einmal alle in einer Zimmerecke ansammeln. - Der Begriff der Entropie spielt auch in der Informationstheorie eine wichtige Rolle.

2.4. Gottesbeweise  Als Gottesbeweise werden Versuche bezeichnet, die Existenz Gottes zu beweisen (oder zumindest Indizien dafür zu finden).
Die heutige Einschätzung der Gottesbeweise beruht weitgehend auf Immanuel Kants
Schlussfolgerung von der Ungültigkeit der meisten Arten von Gottesbeweisen speziell auch der im Mittelalter vorherrschenden scholastischen Gottesbeweise und der Unmöglichkeit speziell von ontologischen Gottesbeweisen. Trotz dieser Kritik Kants werden scholatische Gottesbeweise auch in heutiger Zeit von Neuscholastikern innerhalb der Natürlichen Theologie weiterhin vertreten; sehr konservative Kreise (z.B. Opus Dei) halten sogar weitgehend an der urprüngliche Scholastik fest. Demgegenüber greifen moderne Philosophen, beispielsweise J.L.Mackie, Kants Kritik auf und stellen sie auf eine neue Basis innerhalb der Analytischen Philosophie, während von einigen Philosophen, wie etwa A. Plantinga, eine neue Formulierung des ontologischen Gottesbeweises versucht wurde. Neben dem Versuch, die Existenz Gottes zu beweisen, gab es auch Versuche, die Existenz Gottes zu widerlegen (z.B. Ludwig Feuerbach).
In der vorchristlichen Antike und im christlichen Mittelalter spielten Gottesbeweise für das Leben der Gläubigen selbst keine Rolle. Die Existenz von Göttern, oder eines Gottes, war in den frühen staatlichen Gesellschaften meist zusammen mit der jeweiligen Staatsreligion doktrinär festgeschrieben, und Infragestellung wurde oft als Gottlosigkeit oder Atheismus mit erheblichen Sanktionen belegt. Die theoretischen Überlegungen sollten zu dieser Zeit lediglich die vorhandene Grundüberzeugungen stützen. Ein starkes Motiv für das Aufstellen scholastischer Gottesbeweise im Mittelalter war die Bekehrung von Heiden. In rein heidnischen Gesellschaften konnte zunächst weder staatlicher Druck angewendet werden und auch die Bibel war noch nicht als unumstössliche Wahrheit anerkannt, so dass auch nicht doktrinär argumentiert werden konnte. Deswegen mussten andere Wege beschritten werden, um die Menschen zum christlichen Glauben zu führen, wozu auch gerade scholastische Gottesbeweise dienen sollten. Die eigentliche Zeit der Gottesbeweise war die Frühe Neuzeit und die deutsche Aufklärung. Für deistische Aufklärer sollten die Gottesbeweise eine auf der Vernunft basierende Religion etablieren, welche ohne jegliche Offenbarungselemente auskäme. Mit der einflussreichen Kritik I.Kants an den Gottesbeweisen und dem Entstehen einer säkularisierenden und säkularisierten Gesellschaft nahm die Bedeutung der Gottesbeweise allgemein ab, gewannen aber jetzt eine grössere Bedeutung für religiöse gläubige Kreise selbst und wurde auch zu einer eigenständigen philosophischen Disziplin, der Natürlichen Theologie.

3.0. Diskussion
Ich denke es ist nichts bewiesen, eine Theorie nach der anderen.
Wo war der Anfang, wo das Ende. Wo fangen wir an zu denken, wo und wie kann man nur noch glauben? Naturwissenschaftliche Klarheiten, Gesetze bewiesen, mathematisch logisch, durch Experiment vielfach bewiesen.
Aber war der Anfang der Urknall, Materie entsteht aus Energie?
War der Anfang der Fingerzeig, das Schnipsen mit den Fingern eines höheren Wesens?
Was wissen wir, was glauben wir?

Zwei Dinge halte ich aus naturwissenschaftlicher Sicht bewiesen
o Einmal aus dem Entropiegesetz, alles strebt einer höheren Unordnung zu. Eine Ordnung herzustellen ist nach der Entropie nicht möglich - ein Gottesbeweis, ein Beweis der Schöpfung, vielleicht eine gelenkte Evolution?
o Zweitens nach den Gesetzen der biologischen Evolution, den Wundern der lebenden Natur, der genetischen Ähnlichkeit auch von niederen Tierarten mit denen der Menschen, also der Leitfaden, die fast unveränderliche DNA für die Entwicklung des Lebens auf der Erde in Millionen Jahren kann das nach meiner Ansicht nicht natürlich, also von alleine, ohne Schöpfung, entstanden sein.

Was sagt der Theologe Wolf Krötke dazu?
Die Evolution bringt vielmehr einen grossen Reichtum von Arten hervor, die miteinander existieren können, sofern ihre biologische Ausrüstung sie in einem bestimmten Lebensraum überlebensfähig macht. ...... die Vorstellung allerdings, durch Übung erworbene Eigenschaften könnten vererbt werden, scheidet aus. Der Marxismus hat die Ansicht Lamarcks noch einmal beweisen wollen, weil die gesellschaftliche Umwelt als entscheidende Triebkraft des Lebens verstand.
Das Argument für das anthropische Prinzip ist, dass die Summe der Zufälle, die es zum menschlichen Leben haben kommen lassen, sich für unseren Verstand nicht als Zufall darstellt.
Zum *Bild Gottes* können die Aussagen über den Menschen als gottebenbildliches Geschöpf nur gemacht werden, indem Menschen ihr Dasein, wie sie es gegenwärtig wahrnehmen, im Lichte des Glaubens an den Schöpfer sehen.
Insofern begründet das Verständnis des Menschen als Gottes Ebenbild die spezifisch christliche Anschauung von der Würde des Menschen.

3.0. Neue Fragen   Was beschäftigt uns heute?
Die Frage des seit 800 Jahren diskutierten freien Willens unter Beachtung neuer Gehirnuntersuchungen, die "Neuro-Theologie". Gibt es ein Gottes-Gen?
Bekommen Autogenes Training, das Versinken in ein Gebet, das tiefe Meditieren, die Hypnose eine neue wissenschaftliche Dimension?
Wie viel liegt in den Genen, wie viel Einfluss hat die Erziehung, das soziale Umfeld?
Katastrophenszenarien, Klimawandel nach wärmer oder kälter
Alles eine Frage der Messtechnik, der Statistik, der Datenverarbeitung, der Analytik, ja selbst falscher Prozentrechnung?
Die Macht der Presse. Die Skandalisierung, das Promoten, nicht nur von Schauspielern u.a., sondern auch von wissenschaftlichen Ergebnissen
Personifizierung von Wirtschaft und Finanzen, als Beispiel der DAX- (ein neuer Gott?)
Dem Dax fehlt zum Wochenausklang die Orientierung -- Dax und MDax könnten Jahreshochs ausbauen -- Etwas leichterer Dax erwartet -- Dax in der Defensive -- Dax begrüßt die neue Woche mit kleineren Gewinnen -- Mit einer freundlichen Tendenz wartet der Dax am Montag mittag auf -- Der Dax hat das Potential für weitere Gewinne -- Dax & Co. dürften nach oben schauen -- Dax sucht seine Richtung -- Dax vermutlich ohne großen Elan -- Dax & Co. können Anfangsgewinne nicht verteidigen
Eine Antwort: Keiner kann nachweisen, ob es einen oder unseren Gott gibt. Logisch ist, es gibt so viele Unwahrscheinlichkeiten und Wahrscheinlichkeiten für seine Existenz. Aber danach muss man nicht Fragen, man kann, man darf, nein man sollte an Gott glauben, das grenzenlose unbekannte Bekannte. Darum:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Martin Luther: Was ist das?
Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen............

4.0. Literatur
www.wissen.de
http://de.wikipedia.org
http://www.genesisnet.info/
http://www-users.rwth-aachen.de/gunter.heim/
http://www.dittmar-online.net/atheismus/save2.html
http://www.jesuslebt.de/seiten/jesus_lebt/fragen/mutschler.htm

Wolf Kröttke; Erschaffen und erforscht. Mensch und Universum in Theologie und Naturwissenschaft
Der Spiegel - Sonderausgabe "Die Entschlüsselung des Gehirns"

Anlage: Ist Gott weiblich?
In der Mecklenburgischen Kirchenzeitung 38/vom 23.09.2001 fand ich nachfolgende köstliche Geschichte:
Frauengeheimnis
Eines Tages im Garten Eden sagte Eva zu Gott: ,,Ich habe ein Problem."
,,Was ist das Problem Eva'?"
,,Gott ich weiß, dass du mich erschaffen hast, mir diesen wunderschönen Garten und all diese fabelhaften Tiere und mir diese zum totlachen. komische Schlange zur Seite gestellt hast, aber ich bin einfach nicht glücklich. Gott, ich bin einsam und kann Äpfel einfach nicht mehr sehen."
,,Na gut, Eva, in diesem Fall habe ich eine Lösung für dein Problem. Ich werde für dich einen Mann erschaffen und ihn dir zur Seite stellen!"
,,Was ist ein Mann, Gott?"
,,Dieser Mann wird eine Kreatur sein, mit vielen Fehlern und schlechten Charakterzügen, er wird lügen, dich betrügen und unglaublich eitel und eingebildet sein. Im Großen und Ganzen wird er dir das Leben schwer machen, aber er wird größer, stärker und schneller sein und er wird es lieben zu jagen und Dinge zu töten. Er wird dümmlich aussehen, wenn er erregt ist, aber da du dich ja beschwert hast, werde ich ihn derart beschaffen, dass er deine körperlichen Bedürfnisse befriedigen kann. Er wird witzlos sein und solch kindischen Dinge, wie kämpfen und einen Ball herumkicken über alles lieben. Er wird auch nicht viel Verstand haben, so dass er deinen Rat brauchen wird, um vernünftig zu denken."
,,Klingt ja. umwerfend", sagte Eva und zog dabei die eine Augenbraue ironisch hoch. ,,Wo ist der Haken, Gott?"
,,Also ..... du kannst ihn unter einer Bedingung haben."
,,Welche Bedingung ist das, Gott?"
,,Wie ich schon sagte, er wird stolz und arrogant sein und sich selbst stets am meisten bewundern   ... Du wirst ihn daher in dem Glauben lassen müssen, dass ich ihn zuerst geschaffen hätte.
Denk daran, das ist unser kleines Geheimnis ..... Du weißt schon, von FRAU zu FRAU!!!"
 

3.2.05 Referentin: Imke Schnadt
Die "Gottesbeweise"

Gliederung
I. Überblick
II. zwei Gottesbeweise
III. zwei Kritiker
IV. Diskussion, Fragen, Anregungen, ...
V. Literatur

I. Überblick
Kurzer Überblick über die "Geschichte" der Gottesbeweise:
Der Gedanke des Gottesbeweises geht zurück bis auf Platon und Aristoteles. Ansätze im Christentum finden sich bei Augustin. Im Mittelalter werden die Gottesbeweise durch Thomas von Aquin systematisiert (wobei dieser auch vorhandene Gedanken aus jüdischer und islamischer Tradition aufgreift), dann in der Neuzeit im Anschluss an Anselm von Canterburys ontologisches Argument von Descartes, Spinoza, Leibniz, Wolff, neu durchdacht. Kant verwirft alle bestehenden Beweise als nicht tragbar und setzt an ihre Stelle ein moralisches Postulat. Später beschäftigen sich unter vielen anderen auch Fichte, Hegel oder z.B. die Neuthomisten auf unterschiedliche Art mit den Gottesbeweisen.
Seit Kant unterscheidet man vier Arten von Gottesbeweisen:
? Der kosmologische Gottesbeweis geht aus von Phänomenen der Bewegung, Veränderung, Verursachung in der äußeren Erfahrungswelt und schließt dann mit Hilfe des Kausalitätsprinzips
( = alles hat eine Ursache) auf eine erste Ursache.
( ( Gott als Wirkursache)
Bsp.: Aristoteles, Aquin
? Der teleologische / pysiotheologische Gottesbeweis geht aus von der Ordnung, Zweckmäßigkeit, Zielstrebigkeit alles Naturgeschehens und schließt dann mit Hilfe des Finalitätsprinzips ( = Annahme einer intendierten Zielgerichtetheit, Ausschluss purer Zufälligkeit) auf einen Weltordner / Weltschöpfer bzw. auf ein höchstes Ziel.
( ( Gott als Weltenordner / Finalursache)
? Der ontologische Gottesbeweis geht aus von einem (jedem Menschen innewohnenden) Begriff Gottes als vollkommenstes, notwendiges Wesen und schließt dann - ohne Rückgriff auf empirische Erfahrung ( = a priori) - auf die Existenz dieses Wesens, da diese zur Vollkommenheit bzw. Notwendigkeit zwingend dazugehört.
Bsp.: Anselm, Descartes
? Der moralische Gottesbeweis geht aus von der Notwendigkeit, die (unbedingt gebotene) Sittlichkeit und das Glückseligkeitsstreben des Menschen zur Übereinstimmung zu bringen, Gott wird dann als moralisch notwendig postuliert (durch die Existenz Gottes wird das absolut Gute möglich).
Bsp.: Kant
Anmerkung: Oft ist das Ziel der Gottesbeweise nicht, einem Zweifler Gott "naturwissenschaftlich" zu beweisen, sondern Gott (an den man glaubt) mit Hilfe des Verstandes erklären zu können.

II. zwei Gottesbeweise
Anselm von Canterbury
Also Herr, der du dem Glauben Einsicht schenkest, laß mich, so weit du es für gut hältst, einsehen, daß du Sein hast, so wie wir es glauben, und daß du da bist, was wir glauben! Wir glauben aber, du bist "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist" [aliquid quo nihil maius cogitari possit]. Oder hat vielleicht ein solches Wesen kein Sein, da "der Tor in seinem Herzen spricht: Gott ist nicht" [Psalm 14,1]? Aber wenn eben dieser Tor hört, was ich sage: "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", so versteht er, was er hört; und was er versteht, das hat Sein in seinem Geiste, auch wenn er nicht einsieht, daß es ist. Denn es ist etwas anderes, wenn eine Sache im Geiste Sein hat, und etwas anderes, erkennen, daß sie ist. Wenn ein Maler vorher überlegt, was er malen wird, so trägt er es zwar in seinem Geiste; aber er erkennt noch nicht, daß es ist, weil er es noch nicht gemalt hat. Hat er das Bild gemalt, so hat er es im Geiste und er erkennt auch, daß sein Werk ist. Also wird auch der Tor überführt, daß "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", im Geiste Sein hat, weil er versteht, was er hört, und was man versteht, hat Sein im Geiste. Nun kann aber "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", nicht nur im Geiste Sein haben. Denn wenn es nur im Geiste Sein hat, kann es als noch größer gedacht werden: daß es nämlich auch in der Wirklichkeit ist. Wenn also "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", nur im Geiste Sein hat, ist "das, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", selbst "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres denkbar ist". Das aber kann sicher nicht sein. Also hat "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", im Geiste [in intellectu] Sein und auch in der Wirklichkeit [in re].
Dieses Sein kommt ihm so wahrhaft zu, daß sein Nichtsein undenkbar ist. Mann kann sich gewiß ein Ding, dessen Nichtsein undenkbar ist, vorstellen. Das ist größer als ein Ding, dessen Nichtsein denkbar ist. Wenn also das Nichtsein dessen, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist, denkbar ist, dann ist dieses "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", nicht "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist". Das ist unmöglich. "Etwas, im Vergleich zu dem ein Größeres undenkbar ist", hat demnach so wahrhaft Sein, daß sein Nichtsein nicht einmal denkbar ist.
Und dieses bist du, Herr unser Gott! Du hast also, mein Herr und Gott, so wahrhaft Sein, daß dein Nichtsein nicht einmal denkbar ist...
Anselm von Canterbury, Proslogion 2 und 3. Zitiert nach: Anselm Stolz, Anselm von Canterbury, Kösel-Verlag, München 1937, S.57 f.

Thomas von Aquin
Die Existenz Gottes läßt sich auf fünf Wegen beweisen.
Der erste und nächstliegende Weg ist der, der sich aus der Bewegung ergibt. Es ist nämlich gewiß und steht durch die sinnliche Wahrnehmung fest, daß sich manches in dieser Welt bewegt. Alles aber, was sich bewegt, wird durch anderes bewegt. Nichts nämlich wird bewegt außer dadurch, daß es in potentia ist in bezug auf das, auf das hin es bewegt wird, es bewegt aber etwas dadurch, daß es in actu ist. Bewegen nämlich ist nichts anderes, als etwas aus der potentia [= Möglichkeit] in den actus [= Wirklichkeit] überführen. Aus der potentia aber kann nichts in den actus überführt werden, es sei denn durch ein in actu Seiendes. Wie die Hitze in actu, z.B. das Feuer, das Holz, das Hitze in potientia ist, zur Hitze in actu macht. Dadurch bewegt und ändert sie es. Es ist aber nicht möglich, daß ein und dasselbe gleichzeitig in bezug auf dasselbe in actu und in potentia ist, sondern nur in bezug auf Verschiedenes, was nämlich Hitze in actu ist, kann nicht zugleich Hitze in potentia sein, sondern es ist zugleich Kälte in potentia. Es ist also unmöglich, daß in bezug auf dasselbe und in derselben Weise etwas bewegt und bewegt wird, oder daß es sich selbst bewegt. Also muß alles, was bewegt wird, von etwas anderem bewegt werden. Wenn sich also das bewegt, von dem etwas anderes bewegt wird so muß es selbst auch von etwas anderem bewegt werden, und das wiederum von etwas anderem. Hier aber kann man nicht in infinitum fortschreiten, weil dann nichts das erste Bewegende wäre, und demgemäß wäre nichts da, was etwas anderes bewegen würde, da die nachfolgenden Bewegenden nicht bewegen außer dadurch, daß sie durch das erste Bewegende bewegt werden. Wie der Stab sich nicht bewegt außer dadurch, daß er von der Hand bewegt wird. Daher ist es notwendig, zu einem ersten Bewegenden [primum movens] zu kommen, welches von nichts bewegt wird, und dieses erkennen alle als Gott.
Der zweite Weg ergibt sich aus dem Wesen der Wirkursache [causa efficiens].
Wir finden nämlich in jenen sinnlich wahrnehmbaren Dingen eine Ordnung von Wirkursachen. Es läßt sich jedoch nicht finden und ist nicht möglich, daß etwas die Wirkursache seiner selbst sei, weil es ja dann früher als es selbst wäre, was unmöglich ist. Es ist aber nicht möglich, bei den Wirkursachen in infinitum fortzuschreiten, denn bei jeder Reihe von Wirkursachen ist das Erste die Ursache des Mittleren, das Mittlere die Ursache des Letzten, seien die Mittleren viele oder eins. Mit der Ursache fällt aber auch die Wirkung. Wenn es also kein Erstes bei den Wirkursachen gäbe, gäbe es auch nichts Letztes noch Mittleres. Aber wenn man mit den Wirkursachen in infinitum fortschritte, gäbe es keine erste Wirkursache und demgemäß weder eine letzte Wirkung noch mittlere Wirkursachen, was offensichtlich falsch ist. Also ist es notwendig, eine erste Wirkursache [prima causa efficiens] zu setzen, die alle Gott nennen.
Der dritte Weg ergibt sich aus der Möglichkeit [possible] und dem Notwendigen [necessarium], und zwar folgendermaßen: Wir finden bei den Dingen nämlich einige, die die Möglichkeit haben zu sein und nicht zu sein, denn man sieht, daß einige Dinge werden und vergehen und deshalb sein können und nicht sein können. Es ist aber unmöglich, daß alles, was so beschaffen ist, immer ist, weil das, was die Möglichkeit hat, nicht zu sein, irgendwann einmal nicht ist. Wenn also alles die Möglichkeit hat, nicht zu sein, ist bei den Dingen irgendwann einmal nichts gewesen. Wenn das wahr ist, wäre auch jetzt nichts, denn was nicht ist, fängt nicht an zu sein außer durch etwas, was ist. Wenn also nichts seiend gewesen ist, ist es unmöglich gewesen, daß etwas zu sein angefangen hat, und auf diese Weise wäre nichts, was offensichtlich falsch ist. Also ist nicht alles Sein [nur] möglich, sondern es muß unter den Dingen etwas geben, was notwendig ist. Alles Notwendige aber hat die Ursache seiner Notwendigkeit von woanders her, oder es hat keine. Es ist aber nicht möglich, bei dem Notwendigen, das eine Ursache seiner Notwendigkeit hat, in infinitum fortzuschreiten, wie man das auch nicht - wie bewiesen - bei den Wirkursachen kann. Es ist also notwendig, etwas zu setzen, was aus sich heraus notwendig ist [per se necessarium], was die Ursache seiner Notwendigkeit nicht von woanders her hat, sondern was die Ursache der Notwendigkeit für anderes ist. Das nennen alle Gott.
Der vierte Weg ergibt sich aus den Seinsstufen [ex gradibus], die in den Dingen zu finden sind. Es findet sich nämlich in den Dingen etwas mehr und etwas weniger Gutes, Wahres, Edles, usw. Aber "mehr" und "weniger" wird über Verschiedenes gesagt in Hinblick darauf, daß es sich auf verschiedene Weise einem Maximalen nähert. So wie dasjenige wärmer ist, das sich mehr dem maximal Warmen nähert. Es gibt also etwas, was das Wahrste, das Beste, das Edelste und demnach das Seiendste [maxime ens] ist. Denn was das Wahrste ist, ist das Seiendste, wie in der II. Metaphysik [des Aristoteles] gesagt wird. Was aber das so beschaffene Maximum in irgendeiner Art genannt wird, ist die Ursache von allem, was in dieser Art ist; wie das Feuer, das die maximale Wärme ist, die Ursache aller Wärme ist - wie in demselben Buch gesagt wird. Also gibt es etwas, was für alles Seiende die Ursache des Seins [causa esse] und des Gutseins [bonitas] und jedweder Vollkommenheit ist, und das nennen wir Gott.
Der fünfte Weg ergibt sich aus der Lenkung der Dinge [gubernatio]. Wir sehen nämlich, daß einiges, was der Erkenntnis entbehrt - nämlich die natürlichen Körper - auf ein Ziel hin handelt; das erhellt daraus, daß sie immer oder häufiger auf dieselbe Weise handeln, weil sie dem folgen, was das Beste ist. Deshalb ist es offenbar, daß sie nicht aus Zufall, sondern durch eine Absicht zum Ziel gelangen. Diejenigen aber, die keine Erkenntnis haben, streben zum Ziel nur, indem sie von einem Erkennenden und mit Verstand Begabten geführt werden wie der Pfeil vom Bogenschützen. Also gibt es  etwas, was Verstand hat [aliquid intelligens], durch das alle natürlichen Dinge zum Ziel hingeordnet werden, und das nennen wir Gott.
aus: Thomas von Aquino, Summa Theologiae, Editio altera emendata, Ottawa/Canada 1953, Thomus I, Pag. 13b-14b. Übersetzung: Brigitte Galling. Entnommen: Göttinger Quellenhefte, Heft 1: Gottesbeweise und ihre Kritik (bearbeitet von H.-D. Matschke), Göttingen [o. J.], S.4-6.

III. zwei Kritiker
Gaunilo
(6) Ein Beispiel: Man erzählt sich, irgendwo im Ozean gebe es eine Insel, die einige wegen der Schwierigkeit oder vielmehr Unmöglichkeit, das was nicht existiert, aufzufinden, ergänzend verschwundene Insel nennen und die, so geht die Sage, noch weit mehr, als es von den Inseln der Glückseligen berichtet wird, unermeßlich reich sei an lauter kostbaren Gütern und Annehmlichkeiten, niemandem gehöre, von keinem bewohnt werde und alle anderen bewohnten Länder durch ein Übermaß an Besitztümern allenthalben übertreffe. Daß dies so sei, könnte mir jemand sagen, und ich vermöchte diese Rede, die ja keine Schwierigkeiten aufweist, ohne weiteres zu verstehen. Wenn er dann aber, als  ergäbe sich dies folgerecht, mit der Zusatzbehauptung fortführe: Du kannst nun nicht mehr daran zweifeln, daß diese unter allen Ländern vortrefflichste Insel wahrhaft irgendwo in Wirklichkeit existiert, steht es doch außer Zweifel, daß sie auch in deinem Verstande ist; und weil es vortrefflicher ist, nicht allein im Verstande, sondern auch in Wirklichkeit zu sein, deshalb existiert sie notwendig so, denn wenn das nicht der Fall wäre, wäre jedes andere Land, das in Wirklichkeit existiert, vortrefflicher als sie, und so wäre sie, obwohl von dir bereits als unter allen Ländern vortrefflichstes verstanden, nicht das vortrefflichste - wenn er, so sage ich, mir dadurch einreden wollte, an der wahrhaften Existenz dieser Insel dürfe nicht mehr gezweifelt werden, nähme ich entweder an, er erlaube sich einen Scherz, oder ich wäre unschlüssig, wen ich für törichter halten sollte, mich, wenn ich ihm beipflichtete, oder ihn, wenn er glaubte, für das wesentliche Sein dieser Insel auch nut irgendwie einen sicheren Beweis erbracht zu haben, es sei denn, er hätte erst eben ihre Vortrefflichkeit ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, daß es eine wahrhaft und unzweifelhaft existierende Wirklichkeit ist, nachgewiesen, nicht jedoch nur so, wie auch etwas Falsches oder Ungewisses in meinem Verstande ist.
aus: Gaunilo: Was ein Namenloser anstelle des Toren darauf erwidern könnte [Quod ad haec respondeat quidam pro insipiente].

Kant
In seiner Kritik der reinen Vernunft schreibt Kant:
"Theoretisch können wir nicht wissen, daß er ist. Zwar können und müssen wir wissen, als was Gott gedacht werden muß, da wir ihn sonst nicht einmal vom Teufel unterscheiden könnten. Aber in reiner Theorie vermögen wir nicht zu wissen, ob Gott ist."
Kant ist also der Meinung, dass Gottes Existenz nicht bewiesen werden kann. Seine Gegenargumente sind die Ungültigkeit des Schlusses vom Gedachten auf das Wirkliche, die Beschränkung der Vernunft auf die Erscheinungswelt und die Unbegründbarkeit eines allgemeinen Kausalitiätsprinzips.
So argumentiert er beispielsweise im Bezug auf das ontologische Argument folgendermaßen:
Die Vorstellung eines absolut vollkommenen, notwendigen Wesens ist nach Kant möglich. Die Vollkommenheit fordert dann die Existenz (da es sonst nicht vollkommen wäre). Wird die Existenz verneint, entsteht ein Widerspruch (bis hier analog zum ontologischen Argument). - Aber: Hebe ich sowohl das Subjekt (das vollkommene Wesen) als auch das Prädikat (Existenz) auf, entsteht eben kein Widerspruch. Aus der Möglichkeit, sich ein solches vollkommenes Wesen vorstellen zu können, muss also nicht seine Existenz folgen, der ontologische Gottesbeweis ist somit ungültig.
Im Bezug auf den kosmologischen Gottesbeweis meint Kant, dieser sei im Grunde nur eine Form des ontologischen Beweises in "pseudo-empirischem Gewand" und somit ebenfalls ungültig. Weiterhin lässt sich der kosmologische Beweis als Grundlage des teleologischen betrachten, d.h. mit seiner Ungültigkeit verliert auch der teleologische Beweis seine Gültigkeit.

Anstelle des Gottesbeweises der reinen Vernunft stellt Kant das Postulat der praktischen Vernunft:
Der Mensch weiß, dass es moralisch richtig ist, "gut" zu handeln. Die Befolgung des moralischen Gesetzes ist allerdings nicht immer der einfachste, einsichtigste Weg. Der Mensch strebt außerdem nach Glückseligkeit. Diese ist im (endlichen) Leben nicht erreichbar. Die Annahme der Existenz Gottes löst diesen Konflikt: Durch Gott ist das Erreichen der Glückseligkeit möglich, es ist also sinnvoll, das moralische Gesetz zu befolgen.
D.h. die Existenz Gottes ist ein notwendiges Bedürfnis der praktischen Vernunft; moralisch ist es notwendig, dass Gott existiert.

IV. Diskussion, Fragen, Anregungen, ...
- Kann ein Beweis Gott beweisen?
- Gilt das Kausalitätsprinzip?
- Lassen sich das Weltbild, das in den Gottesbeweisen zum Ausdruck kommt, und das Weltbild aus naturwissenschaftlicher Sicht vergleichen?
- Ist die menschliche Vernunft an den menschlichen Erfahrungshorizont gebunden?
- Zur Zeit Thomas von Aquins gab es weder die Vorstellung negativer Zahlen noch einen Unendlichkeitsbegriff in der Mathematik. Lassen sich mit Hilfe der heutigen Vorstellung andere Schlüsse ziehen als Aquin bzw. seine Kritiker sie zogen?
- Ist die Möglichkeit, eine Ursachenkette unendlich weit zurück zu verfolgen, ein Widerspruch für die Existenz einer ersten Ursache?
- sehr zu empfehlen: "God Exists!" von Robert Meyer (leider auf englisch und ohne math. Vorkenntnisse evt. nicht ganz einfach; Meyer konstruiert "die Welt" so, dass - unter Annahme des Kausalitätsprinzips - die Existenz einer ersten Ursache mathematisch bewiesen werden kann.)

V. Literatur
Theologische Realenzyklopädie: Gottesbeweise I - III
Anselm von Canterbury: Proslogion II und III (verschiedene Übersetzungen)
Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, Quaestio II (verschiedene Übersetzungen)
Gaunilo: Was ein Namenloser anstelle des Toren darauf erwidern könnte (Quid ad haec respondeat quidam pro insipiente)
Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft; Leipzig, Verlag Philipp Reclam jun., 1979; S. 650-658. Hans Küng: Existiert Gott?
Konzepte - Materialien für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II, Heft 2: Gott und Gottesbilder (Erarbeitet von Gebhard Neumüller und Franz W. Niehl); Frankfurt am Main / München, Verlag Moritz Diesterweg / Kösel-Verlag, 1977.
Richard Heinzmann: Thomas von Aquin - eine Einführung in sein Denken. Stuttgart Berlin Köln, Kohlhammer, 1994.
Robert K. Meyer (Australian National University): "God Exists!" aus Philosophy and Phenomenological Research, Noûs Publications 1987.
 
 

Der christliche Glaube an Gott den Schöpfer (Thesen des Seminarleiters)

Der christliche Glaube an Gott den Schöpfer
1. Der christliche Glaube an Gott den Schöpfer setzt historisch und sachlich den Glauben Israels voraus: Israels Glaube an Jahwe als Schöpfer geht historisch der Glaube voraus, daß Jahwe sich Israel als sein Volk erwählt hat, d.h. Israel gemacht (erschaffen, hebr. bara) hat. Dieser Gott wird (historisch gesehen später) als der Gott aller Völker bekannt, schließlich als Schöpfer, der alles —aus dem Nichtsž (2 Makk) erschaffen hat. Der Glaube an Gott als Schöpfer ist dabei Konsequenz des Glaubens an den einen Gott: Außer ihm kann es keine andere vergleichbare selbständige Macht geben. Gott der Schöpfer hat somit Macht über die Natur und über den Tod. Durch die Auferweckung Jesu Christi beweist Gott seine Schöpfermacht. Die Quintessenz: Der Schöpfer ist nicht die Schöpfung (Ansatz zur Entzauberung der Welt).

2. Die christliche Gotteserfahrung (Gott als Vater, Sohn und Geist) verändert das philosophische (metaphysische) Gottesbild eines allmächtigen, ewigen und unsichtbaren Gottes: In Jesus macht Gott sich sichtbar, teilt er Zeit und Raum und erleidet er den Tod. Allmacht schließt Ohnmacht ein, Ewigkeit das Zeitliche. Gottes Geist macht Gott für den Glauben im Geschaffenen anwesend: in seinem Wort, der Verkündigung, in Brot und Wein als Christi Leib und Blut. Die Quintessenz: Der Schöpfer ist nicht die Schöpfung, aber in der Schöpfung gegenwärtig. M.a.W.: Gott ist in der Welt, ohne die Welt zu sein.

3. Die Gegenwart Gottes im Geschaffenen kann im Glauben erkannt werden: vgl. die theologische Lehre von den vestigia trinitatis. Können Menschen auch ohne ausdrücklichen Glauben an Gott zur Annahme eines Schöpfers gelangen?

3.1. Die Welt kann als «SchöpfungŽ gedacht werden: Sie läßt uns fragen: —Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?ž Alltagserfahrungen (genauer gesagt: Deutungen, Theorien zu Beobachtungen) wie die, das nichts ohne Grund geschieht, alles einen Anfang und ein Ende hat, usw. legen die Möglichkeit nahe, daß auch die Welt im Ganzen ihren Grund nicht in sich selbst hat: —Von nichts kommt nichts.ž

3.2. Die Welt muß aber nicht als «SchöpfungŽ gedacht werden: Die Frage nach einer Ursache kann entweder für unbeantwortbar erklärt werden (und darum besser für zu unterlassen) oder die «UrsacheŽ kann als weltimmanent gedacht werden: Dann ist die Welt Folge eines Zufalls und damit eines natürlichen Prozesses.

4. Das Modell naturwissenschaftlichen Denkens (Experiment und Theoriebildung, bzw. Beobachtung und Theoriebildung, die Entwicklung mathematischer Modelle) ist ein Aspekt menschlicher Welterfahrung, andere sind kulturell und/oder religiös überlieferte Denkmuster. Naturwissenschaftliches Denken praktiziert den sogenannten methodischen Atheismus: Gott ist kein Element der Theoriebildung. Wenn eine naturwissenschaftliche These über den Anfang der Welt von Gott spricht, ist sie nicht mehr naturwissenschaftlich. Wenn Naturwissenschaftler von Gott reden, dann als persönlich gläubige Menschen  - oder sie verleihen wissenschaftlichen Theorien auf diese Weise eine Art religiöser Aura (was nicht mehr wissenschaftlich ist).

5. Die christliche (evangelische) Theologie ist eine hermeneutische Wissenschaft, die die Wahrheit der Bibel Alten und Neuen Testaments als erlösende Botschaft von der nahen Herrschaft Gottes in Jesus Christus identifiziert. [Das ist auch ihr - der Bibel entnommenes - Kriterium zur Auslegung der Heiligen Schrift.] Die Theologie dient der kirchlichen Verkündigung, die auf dem Markt religiöser Meinungen Gehör sucht und sich der Frage ausgesetzt sieht: Was haben wir von euch?

6. Auch die exakten (Natur-)Wissenschaften gründen letztlich in der (chaotischen) Alltagserfahrung und müssen, um verstanden, bewertet und kritisiert (auch finanziert) zu werden, sich Anfragen nichtwissenschaftlicher Art aussetzen: Was haben wir von euch?

7. Die Begegnung von Naturwissenschaft und Theologie findet auf diesem Feld der Alltags-, Diskussions- und Sinnkultur statt. Unmittelbar haben sie sich nichts zu sagen. Mittelbar, d.h. im gesellschaftlichen Diskurs, tragen sie zu je verschiedenen Antworten auf Menschheitsfragen bei: Was kann ich wissen, was darf ich hoffen, was soll ich tun? (Kant). Zwischen Naturwissenschaft und Theologie tritt Philosophie. M.a.W.: Wenn Naturwissenschaften und Theologie über ihre jeweiligen Grenzen gehen (philosophieren) (und auch die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Naturwissenschaften freigelegt werden), ist der Raum zum Dialog eröffnet.

8. Wie kann ich mit unterschiedlichen Antworten umgehen?
- Ich kann ihre Unterschiede als methodisch bedingt identifizieren.
- Ich kann (im Blick auf die Erfahrungen der Geschichte) Widersprüche als vorläufig begreifen.
- Ich kann Widersprüche als Aspekte eines (selbst nicht zu begreifenden) Ganzen denken (vgl. die Geschichte vom unbekannten Tier im Dorf der Blinden und ihren Versuch, den Elefanten zu —begreifenž).

9. Gott als Schöpfer ist - so gesehen - aus Sicht der Wissenschaft möglich, kann aber nicht gewußt werden (Agnostizismus). Der Glaubende hingegen weiß, was er glaubt. Er versteht seinen Glauben als einen zusätzlichen Aspekt der Wirklichkeit, der aber nicht additiv zu anderen Aspekten hinzutritt, sondern ihre Grundlage ist: Im Glauben erhält alles einen Bezug zu Gott (Das genau meint ja das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer.).

10. Die Wahrheit des Glaubens kann vom naturwissenschaftlichen Denken nicht anerkannt werden. Zwar ist Glaube für die Wissenschaft eine Realität, er könnte aber auch falsch sein:eine Illusion, eine Projektion, ein Produkt der Lebensverhältnisse  (ein Ergebnis der Evolution).

11. Aus spezifisch theologischer Sicht ist es nach dem Gesagten zunächst notwendig, naturwissenschaftliche Aussagen ideologiekritisch zu überprüfen: Ist eine bestimmte These/Theorie wirklich wissenschaftlich begründet oder selbst eine weltanschauliche Aussage?

M.a.W.: Man kann zwei entscheidende Fehler machen: 1. Man hält etwas für einen historischen Bericht, was aber im Sinn der Offenbarung gar kein historischer Bericht sein will (dazu gehört Gen 1), 2. Man hält etwas für Physik, was im Sinne der Methoden der Physik garnicht zur Physik gehört. (G. Ludwig)

12. Der christliche Glaube weiß zudem, seine Aussagen von Gott sind —ähnlich bei immer noch größerer Unähnlichkeitž (klassisch: via eminentiae, via negativa, via analogiae), d.h.: Gott ist nicht auf unsere Bilder von ihm festzulegen, ohne daß Bilder verzichtbar wären. Legt er sich selbst fest (im Menschen Jesus), dann wissen wir allein im Glauben, daß dieser Mensch —eines Wesensž mit Gott ist. Wenn der Schöpfer im Bereich des Geschaffenen ist, sehen wir einen Menschen (Karl Rahner).

13. Weder im Rahmen eines philosophischen Realismus noch unkorrigierter Metaphysik kann der christliche Schöpfungsglaube gedacht werden: Der christliche Glaube versucht deshalb, ein ihm gemäßes Verständnis des menschlichen Denkens zu finden: Widersprüche gelten ihm nicht a priori als Beweis von Unwahrheit, sondern als mögliche Momente der einen Wahrheit. [Es fällt auf, daß extreme Atheisten und Kreationisten sich in ihren Denkformen ähneln: Was wahr sein will, muß —wirklichž passiert sein, wobei Wirklichkeit als beobachtbar (quasi photographisch zugänglich) gilt.]

14. Setzen wir erkenntniskritisch an beim Staunen über die Wirklichkeit von Erkenntnis und suchen wir nach ihrer Möglichkeit, stellen wir fest, daß das Denken nur denkend bedacht werden kann: Sprachlichkeit allen Wissens, vgl. Gadamer: Denken als Verschmelzung von Erkenntnishorizonten (Kreisen, Blasen) Wirklich ist das, —was wirktž. Wie Gedanken real sind, so auch der (christliche) Glaube. Ob solcher Glaube nun wahr oder eine Illusion ist, kann wissenschaftlich nicht entschieden werden. Es gibt keinen neutralen Standpunkt, der aus Sicht des Glaubens nicht ideologieverdächtig wäre (civil religion). Empirisch beobachtbar (lokalisierbar und manipulierbar) sind lediglich Hirnfunktionen.

15. Der Glaube versteht sich durch den Hinweis auf die ihn physisch, insbesondere evolutionsbiologisch ermöglichenden Hirnfunktionen, nicht —durchschautž, sondern weiß gerade im Glauben an den Schöpfer, daß er nicht ohne das Geschaffene sein kann: Ich bin auch mein Körper. Der macht mich nicht unfrei, sondern frei. Unfrei bin ich also nicht, wenn physikalisch-neurologische Vorgänge wissenschaftlich aufgeklärt werden - sondern erst, wenn diese manipuliert werden: —Vergewaltigungž durch Ausüben eines neurologischen Reizes. Freiheit ist das Sichwiederfinden im anderen.

16. Der Glaube an Gott ist wissenschaftlich verstanden ein (möglicherweise unwahrer) Aspekt unter anderen, die Welt zu verstehen; christlich verstanden aber ist er nicht bloß ein zusätzlicher Aspekt (unter anderen), sondern läßt uns die Welt erst als —Schöpfungž verstehen, d.h. daß die Welt ungeachtet der (jeweiligen) Wahrheit und Vielfalt (natur-)wissenschaftlicher Theorien über ihre Entstehung und die physikalischen, kosmologischen und biologischen Prozesse und —in, mit und unterž deren Geltung und Freiheit einen Grund hat, der zudem in einem Geschöpf (Jesus Christus) und in der menschlichen Bezugnahme auf ihn (dem Glauben) im Geschaffenen so anwesend ist, daß Gott dem Geschaffenen gegenüber bleibt. Der Glaube weiß sich erst in der Rückwendung zu Gott als frei (Erlösung) und versteht diese Befreiung und den Glauben daran als von Gott selbst bewirkt.

17. Anthropologisch heißt das, daß der (christliche) Glaube den Menschen deshalb zwar als (wissenschaftlich erforschbaren) Teil der Welt versteht, zugleich aber in der Abhängigkeit von einer Instanz (und Verantwortung vor ihr), die nicht identisch ist mit der Welt: Die —nennen alle Gott.ž (Thomas von Aquin)

18. Auf naturwissenschaftliche und philosophische Fragestellungen wie die nach Zufall oder Notwendigkeit angewendet, kann der Begriff des in der Welt der Welt  nicht unterworfenen Gottes zu der Vorstellung führen, daß Gott nicht weniger über Naturgesetze als über deren Durchbrechung, Unerkennbarkeit oder Unerklärbares (oder den sogenannten Zufall, der teilweise statistischer Beschreibbarkeit zugänglich ist) wirkt.

Eine menschliche —Freiheitž besteht für den christlichen Glauben nicht im Gegensatz zu Naturgesetzen (und psychischen Mechanismen), schon gar nicht in der Verneinung Gottes, sondern nur im Glauben an Gott: Der Glaubende weiß, daß der Menschen nicht den weltlichen Zwängen und auch nicht sich selbst ausgeliefert ist.

19. Die Theologie sollte naturwissenschaftliche Erkenntnisse als Anfrage verstehen. Sie dienen u.a. auch der Klärung der Bedingtheit des jeweiligen eigenen zeitbedingten Verständnisses von Gott und Glaube:

20. Für die Auslegung der Bibel heißt das: Der Glaube an Gott den Schöpfer ist nicht abhängig vom altorientalischen Weltbild: Die 7-Tage-Woche bekennt den Schöpfungsglauben Israels im Horizont damaliger Problemstellungen. Gedankenexperiment: Hätte sich dieser Glaube damals (oder vor 1000 Jahren) mit den Mitteln des heutigen Weltbildes überhaupt verständlich verkünden lassen?

21. Will die Theologie das altorientalische Weltbild nicht bloß konservieren, sondern den Glauben an Gott als den —mitlaufenden Ursprungž (Zenger) im Rahmen heutigen Weltbildes denken, ist die Theorie des Urknalls besonders deshalb geeignet, da die bekannten physikalischen Gesetze erst mit Ablauf der Planckzeit zutreffen. Es gibt also einen Zeitraum, der sich dem Erkennen entzieht. Obendrein ist der Physik (zumindest gegenwärtig) deutlich, daß Antworten auf die Frage —Was war vor dem Urknall?ž keine naturwissenschaftlichen Aussagen mehr sind.

22. Das evolutive Weltbild läßt Raum für den traditionellen Gedanken einer creatio continua, die bisher angenommenen Faktoren der Evolution (Selektion, Anpassung, Extinktion) treten jedoch in Spannung mit gewohnten christlichen Idealen. Es bleibt zurückzufragen, ob das evolutive Weltbild nicht um andere Evolutionsfaktoren zu bereichern wäre (Sozialität, Religiosität). Für das christliche Selbstverständnis hilfreich und zur partiellen Korrektur Anlaß geben mag der Hinweis auf in den Hintergrund getretene biblische Zeugnisse: Wirken Gottes durch massiven Tod (Sintflut) und Einzelereignisse (Vernichtung Sodoms und der Rotte Korah, Siege Israels über feindliche Völker), die erkennen lassen, daß der biblische Gott auch Tod bringt. Das Gottesbild eines Gottes der Liebe darf solche Zeugnisse nicht ausklammern und unbearbeitet lassen.

23. (Religions-)Philosophisch ist eine Theorie des Unbedingten möglich: Das Denken analysiert - immer nur in Sprache mögliche - Erfahrungen und erkennt einen Unterschied von Realität und Gedanken. M.a.W.: Wir sagen manchmal «seinŽ und manchmal «nicht seinŽ. Beides soll gelten. Es gibt also eine Wirklichkeit, die diese Alternative (Sein oder Nichtsein) sieht und ihr insofern nicht unterliegt, als ihr Nichtsein nicht gedacht werden kann (Bei dem Versuch, sie nicht zu denken, denken wir sie wieder.) Nennen wir sie das Unbedingte. Das Unbedingte ermöglicht den Gegensatz von Sein und Nichtsein im Denken zu denken. Das Denken spricht also im Denken diese seine Voraussetzung aus - insofern wird das Unbedingte vom Denken sowohl gesetzt als auch als seine Voraussetzung gesehen. Noch einmal anders gesagt: Wir sind im Denken über die Alternative Sein oder Nichtsein hinaus. Im Denken leben wir von der Bedingung, die beides ermöglicht. Das Unbedingte ist Voraussetzung für alle Erfahrung. Damit ist es kein Erfahrungsinhalt wie alle anderen, sondern Einheit von Begriff und Realität (Idee). Wird diese grundlegende Einheit Gott genannt, kann man in der Tradition Anselms, bzw. des von Kant so genannten (und hinsichtlich seiner Gültigkeit bestrittenen) ontologischen Gottesbeweises sagen: Gottes Nichtsein kann nicht gedacht werden. —Wenn gedacht wird, ist Gott.ž (Flasch)
24.1. Zur Abgrenzung vom Pantheismus: Zwar kennen wir das Unbedingte nur als das, was in alle unsere Begriffe eingegangen ist. Aber es ist nicht identisch mit den einzelnen Denkinhalten. Von ihnen unterscheidet es sich durch seine Unterschiedslosigkeit (vgl. Nikolaus von Kues: Gott als das Nicht-Andere).
24.2. Zur Ermöglichung von Kritik: Dieser Gedankengang ist hinsichtlich seiner Überzeugungskraft abhängig von einem bestimmten Selbstverständnis, das das Denken von sich hat: von der Einsicht, daß alle Wirklichkeit, von der wir reden können, nur ein Gedanke ist, m.a.W.: von der Einsicht, daß Denken uns Wirklichkeit erst erschließt.
24.3. Diese Einsicht wird von den gegenwärtig fortgeschrittensten Theoriebildungen geteilt: Zugang zur Wirklichkeit haben wir in mathematischen Modellen (Stringtheorien, Annahme n-dimensionaler Räume). Deren empirische Überprüfbarkeit ist gegenwärtig nur partiell und vorläufig möglich. Die naturwissenschaftliche Theoriebildung arbeitet also proleptisch: ausgehend von Beobachtungen gelangt sie zu vorläufig geltenden Theorien.
Hinweis: Die Aussicht auf erst zukünftige Einlösung ihrer Verheißungen stellt eine interessante strukturelle Ähnlichkeit zwischen naturwissenschaftlichen Theoriebildungen und christlichem Glauben dar.

25. Die skizzierte religionsphilosophische Theorie vom Unbedingten ist gleichzeitig Theorie der Bedingungen des Wissens: Das reine Eine bedarf eines Vermittlers. Im Sprechen reden wir von Einheit und Vielheit. Damit setzen wir eine Einheit als Einheit von Einheit und Vielheit. Anders gesagt: —Das einzige menschliche Leben, das wir erfahren, ist charakterisiert durch die Dreieinheit von Naturbestand, transzendentaler Subjektivität und geschichtlicher Gesamtbewegung.ž (Flasch)

Sie wird (wenigstens in groben Umrissen) dem christlichen Gottesverständnis gerecht: Gott ist nicht nur Schöpfer, sondern will auch bei seinen Geschöpfen sein (Inkarnation, Lehre vom Heiligen Geist). Er ist dreipersönlich (klassisch: ein Wesen in drei Personen). Menschen repräsentieren sein Schöpfersein (Gedanke der imago Dei).

Sie bricht aber mit dem klassischen Theismus, der Gott durch Naturereignisse erkennen will, und mit einem Mißverständnis des christlichen Trinitätsgedankens, als könnten wir in Gott bis drei zählen. (vgl. Augustin: Si numerabis, non est deus.)

Obendrein gibt diese religionsphilosophische Theorie naturwissenschaftlicher Erkenntnis jede Freiheit: Es ist die Freiheit des Denkens, das die ihm gesetzten Grenzen erkennen kann, seine eigenen Bedingtheiten erkennen kann. Wenn ich in meiner Handlung an einem fremd bleibenden Handlungsobjekt eine inhaltliche Entsprechung mit meinen begründeten Kriterien erfahre, erfahre ich Freiheit (Flasch).

Gott ist vom Denken nicht zu lösen. Versteht man Denken im Anschluß an die vorplatonische Ausgangslage der abendländischen Philosophie (Parmenides: Einheit vs. Heraklit: Bewegung) als Vereinigen des Mannnigfaltigen und Vervielfältigung des Einen, kann die christliche Trinitätslehre als Deutung der Einheit (Gottes) verstanden werden. Ohne Korrektur durch die Trinitätslehre würden wir uns Gott als etwas von uns Getrenntes vorstellen (vgl. dgg. Apg 17, 28: Denn in ihm leben, weben und sind wir.) —Für die schlechthinnige Einheit, deren Prozeß das Denken ist, sagen die Religionen Gott.ž (Flasch)

- wird fortgesetzt -


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