Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Kurzpredigt in der Feier der Osternacht 2006

Liebe Gemeinde!
Osterurlaub in Zeiten der Vogelgrippe: Ein Tourist sieht einen Schwan auf dem Rücken liegen - und läuft schleunigst davon. Sagt ein zweiter Schwan: Er ist weg. Du kannst wieder aufstehn.

Ein Witz von gestern - wenn man bedenkt, wie still es um das Thema angesichts der wirklichen Gefahr geworden ist? Oder eher makaber - wenn man vor Augen hat, daß das Ostergeschäft wirklich für viele zum Flop werden kann? Wegen der Vogelgrippe und wegen des Wetters? Was soll da ein Witz über die Haßliebe von Einheimischen gegenüber den Touristen, auf die man angewiesen ist, von denen man abhängig ist, deren Bestes man will - ihr Geld? Wie soll man darüber lachen - angesichts des Abgrunds, vor dem unser Land seit Jahren steht? Lachen im Angesicht des Abgrunds - und sei es nur der finanzielle - das ist auch nichts für jeden, das nur etwas für den, der sein Lebensgefühl nicht am Erfolg festmachen muß - nicht am geschäftlichen, nicht an den Mitmenschen, nicht an so etwas wie Ehre. Den Grund und die Möglichkeit dazu finden wir in dieser Nacht.
Seit dieser Nacht können wir dem Mißfolg, dem Leiden, ja dem Tod trotzen - denn Christus geht aus dem Tod zu Gott, dem Vater - und nimmt uns mit. Und wenn wir noch so mitgenommen aussehen: In dieser Nacht sind wir stark. Ostern, da schlägt alle Trauer um in Freude, Dunkelheit in Licht. Da wird nicht die Nacht zum Tag gemacht - dies wäre nicht genug gewesen. In dieser Nacht beginnt der Tag, der keinen Abend kennt, der Tag des Herrn.

Eine Nacht der Kontraste. Wir hielten Nachtwache - im Hören auf Gottes Wort an die Welt. Die Flammen des Osterfeuers erhellten und erwärmten die Nacht: Christi Auferstehung ist wie ein Feuer, das die Dunkelheit durchdringt. Uns wurde verkündet die Botschaft von seiner Auferstehung, eine Botschaft für die ganze Welt. Da wurde die Osterkerze entzündet und in die Kirche getragen, Symbol für Christus, das Licht der Welt. Und jeder trägt eine Kerze, jeder ist Träger seines Lichtes. Im Zeichen des Wassers wurden wir dessen inne, daß wir getauft sind, nicht mehr uns selbst oder anderen Mächten gehören, sondern Jesus Christus, dem Herrn des Lebens. Nun ist es aus mit allem anderen, das uns von sich abhängig machen will: was Menschen von einem denken und wollen, eine Abhängigkeit, die subtiler, aber ebenso gefährlich ist wie eine Abhängigkeit von Drogen. - Ostern, das ist Leben aus dem Tod, Leben das dem Negativen trotzen kann. Denn hier bekommen wir es mit der Macht Gottes zu tun. Und darum können wir wieder aufstehen und lachen - auch wenn wir am Boden liegen. Das ist wie mit dem Witz vom scheinbar sterbenden Schwan: Den erzählen die Leute auf Rügen selbst.
G. Amen.
 
 


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