Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt in der Feier der Osternacht 2005

Liebe Gemeinde der Osternacht!
Spannung und Humor, gutes Entertainment, für alle etwas. —So schön ist Osternž, lockt RTL.
Vor Jahren in einem kleinen Dorf in Westfalen. Fremde aus Indien kommen in den Ort und sehen das Osterfeuer. Unterhaltung live. —Was feiert ihr da?ž Der Pfarrer antwortet: —Wir feiern das Leben.ž
Das Leben feiern? Aber tun das nicht alle? Feiern besonders wir Städter das Leben nicht rund ums Jahr - fast permanent: den Terminkalender voll mit Geburtstagen, Jubiläen, Gedenktagen, Sportveranstaltungen, Urlaub und Reisen? Wir feiern Sylvester und den Abschied vom Winter. Nur krank feiern wir weniger. Feiern wir uns trotzdem nicht fast zu Tode, wir, die wir immer weniger zu lachen haben? Spiele statt Brot - das soll Feiern des Lebens sein?
Ein leidenschaftlicher Spieler, ein Billardspieler, fragt seinen Pfarrer, ob im Himmel auch Billard gespielt wird. Der Pfarrer verspricht ihm, sich danach zu erkundigen. Bereits am nächsten Tag trifft der Pfarrer den Mann wieder: —Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Die Gute: Im Himmel wird Billard gespielt. Die Schlechte: Du bist nächste Woche zum Turnier gemeldet...ž.
Makaber? Nein, österlich! Das ist das Leben, das wir mit dem Osterfeuer feiern: das Leben, das den Tod hinter sich läßt; das Leben, das dem Tod entronnen ist.
In dieser Nacht können wir dem Tod trotzen, denn Christus geht aus dem Tod zu Gott, dem Vater - und nimmt uns mit. In dieser Nacht sind wir stark. Ostern schlägt alle Trauer um in Freude, Dunkelheit in Licht. Da wird nicht die Nacht zum Tag gemacht - dies wäre nicht genug gewesen. In dieser Nacht beginnt der Tag, der keinen Abend kennt, der Tag des Herrn. Eine Nacht der Kontraste. Wir hielten Nachtwache - im Hören auf Gottes Wort an die Welt. Die Flammen des Osterfeuers erhellten und erwärmten die Nacht: Christi Auferstehung ist wie ein Feuer, das die Dunkelheit durchdringt. Uns wurde verkündet die Botschaft von seiner Auferstehung, eine Botschaft für die ganze Welt. Da wurde die Osterkerze entzündet und in die Kirche getragen, Symbol für Christus, das Licht der Welt. Und jeder trägt eine Kerze, jeder ist Träger seines Lichtes. Im Zeichen des Wassers wurden wir dessen inne, daß wir getauft sind, nicht mehr uns selbst oder anderen Mächten gehören, sondern Jesus Christus, dem Herrn des Lebens. Ostern, das ist Leben aus dem Tod. Hier bekommen wir es mit der Macht Gottes zu tun.
—So schön ist Osternž, lockt RTL. Recht haben sie. Ostern ist schön. Dazu sagen wir:
G. Amen.
 
 


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