Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt in der Osternacht 2001

Liebe Gemeinde der Osternacht!
Ostern ist ein verrücktes Fest. In dieser Nacht sind wir stark. In dieser Nacht können wir dem Tod trotzen, denn Christus geht aus dem Tod zu Gott, dem Vater ­ und nimmt uns mit. Da schlägt alle Trauer um in Freude, die Dunkelheit in Licht. Da wird nicht die Nacht zum Tag gemacht ­ dies wäre nicht genug gewesen. In dieser Nacht beginnt der Tag, der keinen Abend kennt, der Tag des Herrn.

Eine Nacht der Kontraste. Wir hielten Nachtwache - im Hören auf Gottes Wort an die Welt. Die Flammen des Osterfeuers erhellten und erwärmten die Nacht: Christi Auferstehung ist wie ein Feuer, das die Dunkelheit durchdringt. Uns wurde verkündet die Botschaft von seiner Auferstehung, eine Botschaft für die ganze Welt. Da wurde die Osterkerze entzündet und in die Kirche getragen, Symbol für Christus, das Licht der Welt. Und jeder trägt eine Kerze, jeder ist Lichtträger. Im Zeichen des Wassers wurden wir dessen inne, daß wir getauft sind, nicht mehr uns selbst oder anderen Mächten gehören, sondern dem Herrn des Lebens. Das macht uns stark.

Im Tanz feiern wir - wie verrückt - das neue Leben, hier in der Jacobi-Kirche, zwischen anderen Anwälten des Lebens: den Sozialismus-Tagen in der Alten Feuerwache und der Erotikmesse am Alex. Ostern ist ein verrücktes Fest. Ostern ist eine Sache von Tod und Leben.

Ostern hat die Maßstäbe jener alten Welt ver-rückt und eine andere Welt er-öffnet. Wir haben neues Leben dazugewonnen, Leben aus dem Tod. Ver-rückte Bilder sind in den Köpfen und auf den Leinwänden der Maler entstanden: Jesus steigt aus dem Grab, Licht und Energie geworden, wie einer, der abhebt zum Fliegen. Ver-rückt. —Beam me upž - Überschrift einer Berliner Todesanzeige.

—Ostern - da kommt was auf Sie zuž - das Wunder der Auferstehung. Ostern ist —nichts für Weicheier.ž (Wo die Fernsehmacher mit ihren flotten Sprüchen recht haben, haben sie einfach recht.)
In dieser Nacht sind wir stark - und treiben sogar mit Entsetzen Scherz: Kommt eine Frau zum Arzt. Sagt der: —Sie haben höchstens noch ein Jahr zu leben.ž Antwortet die Patientin: —Aber Ihre Rechnung kann ich bis dahin noch nicht bezahlen.ž Sagt der Arzt: —O.k., dann gebe ich ihnen noch ein weiteres Jahr.ž

Makaber?Ein zweifelhafter Zeitgewinn? Eine ver-rückte Grenze. Von Ostern her Zuspruch von Leben, Ausdruck gewonnener Ewigkeit - die von Gott her mit Ostern begonnen hat: ein Jahr, 2000 Jahre... Eine Grenze ist ver-rückt, gefallen. Seither feiern wir das Leben! - Ostern ist schon ein verrücktes Fest. Und wer hier sitzt und das glaubt, ist auch ver-rückt: ver-rückt in Gottes Ewigkeit.
Amen.
 
 


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