Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt im Taufgottesdienst für Konfirmanden über Lk 15, 1-7

Liebe Täuflinge, liebe Gemeinde!
Wer etwas verliert, macht sich auf die Suche, es wiederzufinden. - Im Orient redet natürlich kein Mensch so abstrakt. Da kommt das als Geschichte. Besonders bei Jesus - denn wenn er von der Suche eines Hirten nach dem verlorenen Schaf erzählt, dann meint er damit Gott: wie der uns Menschen sucht und rettet. Das erzählt man aber am besten in einer Geschichte, in einem Gleichnis. Das klingt dann so:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Die Geschichte erwähnt Alltägliches. Ich habe das selbst einmal beobachtet, in Israel, in der Wüste am Toten Meer, am Fuß der alten Festung Massada. Da war ein Hirte mit seiner Herde in einem trockenen Flußbett unterwegs. Ein Schaf hatte sich von den anderen getrennt und war zurückgeblieben. Da ging der Hirte den langen Weg bergauf wieder zurück, packte sich das Schaf und brachte es wieder zu den anderen. - Logisch: Schafe sind Eigentum. Das willl man nicht verlieren. Schafe sind dort aber auch Haustiere, um die man sich kümmert - wie wir uns um Hunde und Katzen.

Die Selbstverständlichkeit, mit der sich ein Hirte um seine Herde kümmert, nimmt Jesus zum Ausgangspunkt seines Gleichnisses. Weil wir alle so handeln würden, ist es kein Wunder, daß auch Gott so handelt: Nur sind wir dann die Schafe, und er tritt in der Rolle des Hirten auf. Und das verlorene Schaf erhält eine bestimmte Bedeutung: Es ist der Mensch, der sich von Gott abgewandt hat, der Sünder. Und über dieses Schaf, über diesen Menschen, heißt es am Ende:
Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Das ist die Moral von der GeschichtŽ: die große Freude über den, der zu Gott zurückfindet. Das Gleichnis aber setzt eine andere Pointe: Da geht es um Gott. Gott liebt die Sünder. Er holt sie zurück. Gott steht im Mittelpunkt - seine Mühe, seine Freude.

Wie macht Gott das nun, wie geht er dem Verlorenen nach? - Er hat uns Jesus gesandt. Der ist der gute Hirte. Damals in Israel höchstpersönlich, als er predigte und Menschen heilte - und heute im Wirken der Christen, die sich in seinem Namen versammeln, von ihm erzählen und die Sakramente feiern: Taufe und Abendmahl.

In der Taufe im Namen Jesu geht Gott uns nach, und bringt er uns wieder zu sich. Die Taufe ist so etwas Gottes ausgestreckte Hand. Sie lädt nicht nur ein, sie zu ergreifen - sie greift selber nach uns. Sie greift nach uns, wie man einen Ertrinkenden rettet, nicht per Handschlag, sondern mit festem Rettungsgriff: - zeigen: Hand reichen -

Mit der Taufe macht Gott deutlich, wem wir gehören: weder den Mächten des Bösen noch uns selbst, sondern ihm. Weil wir Gott gehören, sind wir untereinander frei, frei von allem, was Menschen von uns wollen, so frei, daß wir einander beistehen: nicht gezwungen, sondern freiwillig.

Aber: Kann man das sehen, wem wir gehören? Bei Schafen kann man das. - ? -
Sie erhalten ein Brandzeichen - damit jeder weiß, wem die Herde gehört. - Aber nun keine Angst, liebe Täuflinge. Das ist nicht die angekündigte Überraschung. Hier liegt kein Brandeisen bereit. Für Menschen gibt es ein anderes Zeichen. Wir haben es gelernt: Es ist das Wasser.

Wasser ist Tod und Leben. So stirbt in der Taufe das Böse, und das neue Leben beginnt. Kein Leben ohne Wasser. Wasser macht naß - aber so macht es sauber und rein. - zeigen: Hände waschen -

Das kann man sehen, weil Wasser ein Zeichen ist, das Unsichtbares sichtbar macht.

Und auch die neue Gemeinschaft mit Gott in Jesus kann man sehen. Der Apostel Paulus sprach davon, daß wir in Christus —ein Leibž sind: - zeigen: einander die Hände reichen -

Und mit der Taufe ist uns ein Licht aufgegangen: Christus, das Licht der Welt. Das sagt das Zeichen der Taufkerze.

Diese Zeichen leuchten ein. Schon jedes Kind kann sie verstehen. Aber da ist noch eines. Als Paulus sagen wollte, was die Taufe alles bewirkt, sprach er davon, daß wir mit der Taufe —Christus anziehenž - wie man ein Kleidungsstück anzieht. Was soll das bedeuten? —Kleider machen Leutež, heißt es. Kleidung zeigt, wer wir sind oder sein wollen: Mann oder Frau, alt oder jung, manchmal sogar den Beruf oder aus welchem Land jemand kommt. Das —Christus-Kleidž zeigt, wer wir sind - oder sein wollen, was wir in der Taufe versprochen haben zukünftig zu sein. Wie aber sieht das Christus-Kleid aus?

Die Alte Kirche hatte sich ausgedacht, den Menschen bei ihrer Taufe etwas Neues anzuziehen. Zuvor zogen sie sich nackt aus - und dann bekamen sie ein neues Gewand, ganz in weiß. Von daher gibt es seit alters den Brauch des Taufkleides. Und viele Christinnen und Christen tragen ein Kreuz.

Und ihr habt Euch heute ja auch besonders schick gemacht. Wer von Kopf bis Fuß ein neuer Mensch ist, kann das ruhig zeigen. Aber etwas fehlt noch, das i-Tüpfelchen. Und hier kommt es - die Taufsocke: - zeigen -

Warum ausgerechnet Socken? Nun, wer sich in der Bibel auskennt, weiß, Jesus hatte es irgendwie mit den Füßen. Was macht er im Abendmahlsaal? Er wäscht den Seinen die Füße, ganz der Diener. Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als daß ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Auch dahinter könnte man eine Anspielung auf die Taufe sehen.

Darum jetzt also Socken. Dunkelblau, 100 % Baumwolle. Nichts Besonderes? Doch. Da ist etwas zu sehen und zu lesen. Da steht: —Gott hält Wort.ž Und wir sehen ein Zeichen eingestickt, einen Regenbogen. Am Ende der Geschichte von der großen Flut, in der Gott die Bösen untergehen ließ, heißt es in der Bibel: Das warŽs. Noch einmal will ich das nicht machen. In Zukunft lasse ich die am Leben, die Böses tun.

Und nicht allein das. Durch Jesus haben wir erfahren: Gott geht uns sogar nach, um uns zu retten - wie ein Hirte das verlorene Schaf sucht. Am Ende dann große Freude. —Gott hält Wort.ž

Damit ist man gut (aus)gerüstet. Also: —Mach dich für Jesus auf die Socken!ž - meine zeigen -
Amen.
 
 


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