Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Krippenspiel in St. Jacobi-Luisenstadt 2002: nach einem unbekannten Verfasser verändert
 

Musik und Einzug der Krippenspieler

Lied: Tochter Zion 16, 1 + 2

Begrüßung

Engel 1: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!

Engel 2: Wer ist der König der Ehre?

Engel 1: Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit.

Lied: Tochter Zion 16, 3

Prophet: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande , scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. ... Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und er heißt: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davis und in seinem Königreich, daß ers stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer der Herrn Zebaoth.

Lied: Macht hoch die Tür 5, 1 + 5

Sprecher: Die wirklich wichtigen Dinge in unserer Welt beginnen, wenn Gott zu Menschen spricht...

Verkündigungsengel: Sei gegrüßt, Maria. Der Herr ist mit dir. Er hat dich zu Großem ausersehen. Habe keine Angst. Du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm das Königtum seines Vaters David übertragen.

Maria: Habe ich geträumt? Oder ist es Wirklichkeit? - Ja, es ist wahr! Die Stimme Gottes hat zu mir gesprochen. Gott hat unser Elend nicht vergessen. Ich bin bereit, Gott zu dienen. Man wird mich glücklich preisen, denn er hat Großes an mir getan. Jetzt verstehe ich, wenn es in den Psalmen heißt: Sein Erbarmen hört niemals auf. Er schenkt es allen, die ihn ehren.

Lied: Macht hoch die Tür 5,  2 + 3

Ausrufer: (läutet mit einer Glocke) Leute, hört! Wichtige Bekanntmachung! Ein Befehl des Kaisers Augustus in Rom. Alle müssen ihn hören und befolgen. - Unkenntnis schützt vor Strafe nicht. - Kommt alle her, Leute. Hört! Befehl des Kaisers an alle!
(Hirten und andere kommen)
Der Kaiser Augustus in Rom, den wir als Gott des Friedens verehren...

Hirte1: (murrend) Wir nicht! Wir glauben nicht an diesen selbsternannten Gott, an den Kaiser!  Wir nicht. Wir glauben an den Gott Abrahams, den unsichtbaren, allmächtigen Gott der Väter!

Ausrufer: Ruhe! Ich lasse euch verhaften! Unterbrecht den Boten des Kaisers nicht!
(liest wieder von vorn)
Der Kaiser, den wir als Gott des Friedens verehren, hat in seiner großen Weisheit beschlossen, dass alle Menschen gezählt werden...
(Leute murren)
Befehl des Kaisers: Alle Einwohner, Männer, Frauen und Kinder, müssen sich in kaiserliche Listen eintragen lassen. Jeder in dem Ort, aus dem seine Familie stammt. Bis zum nächsten Vollmond müssen alle eingetragen sein. Wer es nicht tut, wird mit Einkassierung seines ganzen Besitzes bestraft. - Es lebe der Kaiser Augustus, der Gott des Friedens! Gezeichnet: Quirinius, Statthalter des Kaisers in Syrien.

(Hirten schimpfen und drohen.)

Wirt 1: So eine Gemeinheit! Die wollen uns doch nur das Geld aus der Tasche ziehen! Hundsgemein ist das! Und das im Winter. - Wer bezahlt uns die Reise? Jetzt sollen auch wir Armen noch Steuern zahlen. Geht doch zu den Reichen! Es ist immer so - die Armen müssen alles hergeben.

Wirt 2: Wir sollen die Paläste in Rom bezahlen, die der Kaiser baut... und die Soldaten die uns bedrohen!

Wirt 1: Geht doch weg zu eurem Friedensgott nach Rom! Ja, weg mit euch!

Ausrufer: Wer sich widersetzt, den lasse ich verhaften!

(Hirten und Wirte schimpfen und gehen weg.)

Sprecher: Diese Nachricht wurde von den meisten Menschen damals nur schwer verkraftet. Einige Leute aber passten sich an. Das waren die, die an allem verdienen und sich immer so schnell zu helfen wissen. Sie nutzten die Not der anderen aus. Damit wir verstehen, wie es damals in den Familien ausgesehen haben mag, belauschen wir ein Gespräch beim Bürgermeister in Bethlehem.

Tochter: Sie tun mir leid, die Leute. Wie Vieh treibt man die Menschen durchs Land. Es ist wie bei einer Viehzählung.

Bürgermeister: Volkszählung, mein Kind, Volkszählung.

Tochter: Armes Volk!

Bürgermeister: Was willst du? Es ist eine ordnungsgemäße, gesetzlich festgelegte und angeordnete Maßnahme. Der Kaiser befiehlt - gelobt sei sein Name; der König befiehlt, gelobt sei sein Name. Ich bin nur ein kleiner Bürgermeister, Bürgermeister in Bethlehem. Was soll ich machen?

Tochter: Gelobt sei sein Name, gelobt sei sein Name! Der Name Gottes sei gelobt. Und: Du sollst keine anderen Götter haben neben ihm. Das hast du wohl vergessen.

Bürgermeister: Wie werd ich das vergessen haben? Nur, mein Kind, die Zeiten sind nicht so. Da sind eben andere Herren, die gelobt werden wollen und denen man gehorchen muss.

Tochter: Tyrannen sind das.

Bürgermeister: Wirst du wohl still sein! Hast du vergessen, dass ein Soldat des Königs vor unserer Tür steht? Was meinst du wohl, warum der bei uns Wache hält? Nicht um uns zu beschützen, wie er sagt. Er hat gute Ohren - und wehe uns, er hört etwas, was seinem König und Gott missfallen könnte. Dann wäre meine schöne Stelle hin.

Tochter: Sie haben wohl Angst, die großen Herren?

Bürgermeister: Sie haben Angst. Sonst brauchten sie nicht so viele bewaffnete Leute und Spitzel. Sie haben Angst: vor den Hirten, vor den Bauern, vor den Handwerkern und - vor Bethlehem.

Tochter: Vor Bethlehem?

Bürgermeister: Du kennst doch unsere Heiligen Schriften: "Du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei , dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist." ... Den Teufel fürchten sie nicht, aber dass Gottes Freundlichkeit Mensch wird und dass es menschlich zugeht auf der Welt.

Tochter: Wann wird das endlich sein? Wann wird der Retter kommen?

Bürgermeister: Was weiß ich? Ich bin nur ein kleiner, unbedeutender Bürgermeister.

Lied: Es kommt ein Schiff geladen 13, 1 + 2

Sprecher: Einer von den Leuten, die den Befehl des Kaisers gehört hatten, war der Zimmermann Joseph, der mit seiner jungen Frau Maria in der Stadt Nazareth wohnte. Er machte sich Sorgen. Seine Frau erwartete in einigen Tagen ihr erstes Kind. Sie würden mehrere Tage wandern müssen bis Bethlehem, in die Stadt des Königs David. Denn sie stammten beide aus der Familie des Königs David, der vor langer Zeit gelebt hatte. Und bis zum nächsten Vollmond waren es auch nur noch ein paar Tage. Zu Hause sprach er mit seiner Frau Maria:

Joseph: Wir müssen verreisen, Maria. Pack schnell ein paar Sachen zusammen!

Maria: Verreisen? Jetzt im Winter? So plötzlich? Und das in meinem Zustand, du weißt doch...

Joseph: Ja, ich weiß. Ich kann es nicht ändern. Der Kaiser im Rom hat es befohlen. Alle Leute sollen gezählt und in ihrer Heimatstadt in Listen eingetragen werden. Wahrscheinlich geht es um die Steuern. Die wollen unser Geld. Und damit machen sie dann wieder Krieg. Und dann sollen wir den Augustus noch Friedenskaiser nennen - oder sogar Gott.

Maria: Schrecklich, Gott spricht anders zu uns als durch solche Befehle. Der richtige Friedenskönig Gottes wird anders sein, der wird uns zeigen, was wirklich Frieden ist.

Joseph: Schweig, wir müssen gehen. Komm, Maria!

Sprecher: Von Nazareth bis Bethlehem sind es etwa 150 Kilometer. Das ist ein langer Weg, wenn man zu Fuß gehen muss und noch mit einem ungeborenen Kind im Leib. Sie gingen wohl vier bis fünf Tage. Zuletzt meist bergauf, denn Bethlehem liegt im Gebirge. Dort versuchten sie, in einem Gasthaus unterzukommen. Es war höchste Zeit, denn die Geburt meldete sich an.

(Joseph klopft an der Tür)

Wirt 1: Was willst du?

Joseph: Schalom. Gibt es hier vielleicht ein einfaches Zimmer für mich und meine Frau? Sie erwartet ein Kind und...

Wirt 1: Einfaches Zimmer? Einfaches Zimmer! Du weißt wohl nicht, was hier los ist. Die ganze Stadt ist voll Fremder. Einfaches Zimmer! Überhaupt kein Zimmer! Das fehlt mir noch: noch mehr fremde Leute! Dabei brauche ich jeden Schekel für die Steuer. Nein, tut mir leid. Alles besetzt.

(Joseph lässt den Kopf hängen, geht zu Maria zurück.)

Maria: Du brauchst mir nichts zu erzählen, Joseph, ich hab gehört, was er gesagt hat. Komm, versuch's im nächsten Wirtshaus. Es wird schon dunkel.

(Joseph klopft.)

Wirt 2: Was klopfst du so unverschämt! Kannst dir wohl denken, dass alles voll ist. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht - bei dem Betrieb jetzt. Die Herrschaften wollen was erleben für ihr Geld. Lauter vornehme Persönlichkeiten. Du passt hier gar nicht rein, kannst das gar nicht bezahlen. Wie du schon aussiehst!

Joseph: (zeigt auf Maria) Es geht ja nicht nur um mich. Meiner Frau geht's nicht gut. Sie erwartet ein Kind und kann doch nachts nicht auf der Straße bleiben. Bezahlen können und wollen wir's auch. Und wenn's nur ein kleines Zimmer ist, nur ein Bett für meine Frau oder eine Liege. Um Gottes willen!

Wirt 2: (versucht während der Bitte von Joseph die Tür zu schließen. Ärgerlich)
Für deinen Gott kann ich mir nichts kaufen! Verschwindet von hier! Aufdringliches Pack! Euch schickt wohl die Steuerbehörde?

Joseph: (zu Maria) Das ist hier nichts für uns und unser Kind. Die denken nur ans Geld, haben kein Mitleid mit den Menschen. ... Da hinten, am Ende der Straße ist noch Licht. Wir versuchen's dort!

Maria: Mach schnell, es ist nicht mehr viel Zeit.

Tochter: Wer seid ihr?

Joseph: Wir kommen aus Nazareth und müssen uns hier eintragen lassen. Meine Frau muss dringend ein Bett haben und ein Dach überm Kopf. Das Kind kann jeden Augenblick kommen. Bitte, bitte, machen Sie auf, helfen Sie. Überall hat man uns abgewiesen. Wenn wir hier nicht unterkommen, weiß ich nicht, was wir machen sollen. Seien Sie doch barmherzig!

Tochter: Ihr seid ja wirklich schlimm dran. Aber bei uns ist auch alles voll. Ich möchte euch ja gerne helfen. Ich helfe jedem, wenn ich kann. Aber heute geht's wirklich nicht. Ich weiß auch nicht, ob mein Vater es duldet....  - Da fällt mir was ein. Dort drüben auf dem Feld ist ein alter Stall, nicht mehr schön, aber besser als nichts. Vielleicht könnt ihr da bleiben. Vielleicht ist etwas Heu da. Ist ja nicht schön, aber ich weiß wirklich nichts anderes... Ich muss wieder ins Haus, gute Nacht!

(Maria und Joseph in den Stall)

Lied: Stille Nacht, heilige Nacht 12

Hirt 1: Das Leben ist hart, und die Menschen sich schlecht. Wenn du was hast und was kannst und was bist, dann sind sie freundlich, kommen gelaufen und wollen alles für dich tun. Bist du arm wie wir, hast du keine Freunde mehr!  Sagst du was, weißt du nicht, wer es hört, und ob man dir noch einen Strick daraus dreht. Angst muß man haben.

Hirt 3: Wie sie uns schon anstarren in der Stadt - nur weil wir nicht so gut gekleidet sind wie die Leute dort. Sie sehen uns an, als wären wir Tiere. Ich mag gar nicht mehr hin. Die Schafe sind menschlicher.

Hirt 2: Ich habe so ein komisches Gefühl, als ob heute Nacht noch etwas passieren wird.

Hirt 1: Du mit deinen Gefühlen. Wenn in der Welt was passiert, glaubst du, wir würden das merken? Wir, die kleinen Hirten im Gebirge? Meinst du, es kommt jemand zu uns und sagt: "Guten Abend, ihr Hirten! Ich bin extra aus Jerusalem gekommen, um euch zu sagen, was geschehen ist. Ihr seid die ersten , die es erfahren!" So stellst du dir das wohl vor?

Hirt 2: Spotte nur, davon verstehst du nichts.

Hirt 3: Hast wohl wieder an Gott gedacht und an den Freund der Armen, den er schicken soll? Schön wär's. Aber wir werden's nicht erleben, sag ich dir. Bete nicht so viel! Sonst kommst du nur auf komische Gedanken. Wirst noch wirr werden...

Hirte 4: Früher war das ganz anders. Da stellten wir Hirten noch was dar. Aus Hirten wurden Könige. Denkt an den König David! ... Stell dir das einmal vor, einer von uns würde König...

Hirte 3: Wenn ich das wäre, dann ließe ich für uns die Puppen tanzen. Jeden Abend Wein und Tänzerinnen, das beste Essen von den berühmtesten Köchen, und ein Bett - so weich, dass man hineinversinkt.

Hirte 2: Du denkst nur ans Essen und Trinken. Wie du gerecht regierst und dich um deine Untertanen kümmerst, darüber machst du dir keine Gedanken. Du bist wie unser König. Der feiert ein Fest nach dem anderen. Wer anderer Meinung ist als er, der wird einfach umgebracht. Ich wünsche mir einen König, der für die Menschen da ist.

Hirte 1: Sag es nur nicht öffentlich. Sonst geht es auch dir schlecht!

Hirte 2: Hier in der Nacht hört es ja keiner.

Hirte 4: Es nimmt ja sowieso keiner von uns Notiz. Was mit uns passiert, ist den anderen doch egal.

Hirte 1: Da gibts nur eines: sich zu betäuben. Erst wird man lustig und dann vergisst man. Der Wein lässt mich alles vergessen.

Hirte 4: Du vergisst, wie es für uns ist, wenn du betrunken ist. Ich habe das satt. Außerdem will ich mich nicht betäuben. Dann ist man ja schon wie tot.

Hirte 2: Wir werden alle noch vor Gott gerade stehen müssen für unser Leben. Der einzige Trost ist für mich, dass Gott nicht danach sieht, ob einer König ist oder Hirte.

Verkündigungsengel: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Alle Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Lied: Vom Himmel hoch, da komm ich her 2, 1 - 3

Hirte 1: Habt ihr das gehört? Nichts wie hin zu diesem Kind!

Hirte 3: Wie sollte man das überhören? Aber was machen wir mit den Schafen?

Hirte 2: Die müssen wir jetzt Gott anvertrauen. Für sie haben wir jetzt keine Zeit mehr.
Kommt, beeilt euch! Einmal im Leben will ich nicht zu spät kommen.

Hirte 4: In einer Krippe, hat er gesagt. Dann müssen wir bei den Ställen am Berg nachsehen. Ich kenne mich da aus. Kommt!

Sprecher : Warum waren es gerade Hirten, die zuerst Bescheid wussten? Vielleicht, weil sie arm und verachtet waren, gerade so wie die Leute, um die sich Jesus später gekümmert hat. Vielleicht aber auch, weil zur Zeit ihrer Väter, als alle noch als einfache Hirten unterwegs waren, der Glaube des Volkes am stärksten war...

(Hirten gehen zur Krippe und knien dort nieder. Sie stehen wieder auf, wenden sich den Leuten zu und rufen:)

Alle Hirten: Hört alle zu: Uns ist ein Kind geboren, der Heiland und Retter! Freut euch alle!
Lied: Ich steh an deiner Krippen hier 15, 1 - 3
Gebet, Vater unser, Segen, Anzünden der Kerzen
Lied: O du fröhliche 17                                                                                    Musik und Auszug
 
 


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