Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt im Konfirmationsgottesdienst am Pfingstsonntag 2007

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!
—Ich packe meinen Koffer...ž - und was packe ich ein? Taschenlampe, Zahnbürste, Handy, Erdbeeren, Löffel, Geschirr, Aschenbecher, Geld usw. usf. - Das war in eurer Konfirmandenzeit ja nicht nur ein abendliches Gesellschaftsspiel, Kofferpacken gehörte fast schon mit zum Unterricht. Wir waren ja viel unterwegs und erlebten so einiges: erst keine Kraniche, aber Frau Speck (die muß? - weg); dann kein offenes Schwimmbad, aber Fastfood neben dem Mailänder Dom. Das Schöne und das Schreckliche - manchmal sehr dicht beieinander. Jeder wird so seine Eindrücke mitgenommen haben. Mein persönlicher Favorit war ja die dreidimensionale, musikalisch-beleuchtete Krippe mit Weihnachtsliedern, Discolicht und dem automatischen Angler - irgendwo jwd in den Bergen. Dazu Nächte im komatösen Tiefschlaf - und schlaflose Nächte. Natürlich gab es auch Unterricht - mit so schwierigen Themen wie den prä- und postbaptismalen Riten. (Google sei Dank.) Am Ende stand die (besonders bei mir) so beliebte Prüfung (die dem einen oder der anderen bei etwas Vorbereitung auch mehr Spaß gemacht hätte) - und die eine, alles entscheidende Frage: —Vor Gottes Richterthron wiegt die Schuld des Menschen schwer. Aber es gibt verschiedene Meinungen darüber, wodurch sie der Mensch ausgleichen kann. Welche der dargestellten Gewichte gehören nach Luthers Ansicht in die leere Waagschale, damit der Mensch vor Gott bestehen kann?ž Nach 1 1/2 Jahren Unterricht ist die Antwort klar: ... Gottes Gnade, allein Gottes Gnade.

Wer das weiß und glaubt - und nicht auf die anderen angebotenen guten Dinge: wie Bibellesen, Gebete, Fasten, Geldspenden usw. hereinfällt (ja, auch die Gläubigen packen ihren Koffer immer wieder zu voll) - kann sich konfirmieren lassen: notfalls jetzt gleich... (weitere Kandidaten?) Und damit geht es wieder an so etwas wie Kofferpacken. Konfirmation, Sich-Stärken-lassen-im-Glauben, bedeutet ja zumeist auch Aufbruch und Abschiednehmen - Schluchz! (Früher war das wirklich so: Da war dann für die meisten die Schulzeit zu Ende, und man ging in die Lehre, viele auch von zu Hause weg. Da war wirklich Kofferpacken angesagt. Also weinten zur Konfirmation schon einmal die Eltern - heute Pfarrer und Gemeinde.) Auch wenn sich das mit dem Abschiednehmen bei euch noch ein bißchen verzögern sollte, habe ich schon mal einen Vorschlag: —Ich packe meinen Koffer...ž - und was packe ich ein?

Drei Dinge schlage ich euch vor für die Reise durchs Leben. Und das sind die drei Dinge, die auch eure Eltern und Verwandten, die auch die Gemeinde bei ihrer Reise durchs Leben gut brauchen kann. Ich habe sie hier: Handy, Navi und Marmelade. - ? - Natürlich meine ich das bildlich, symbolisch. Was war noch mal ein Symbol? (—Ein Symbol ist ein Zeichen, das ich sehe, um etwas zu sehen, was ich sonst nicht sähe.ž) Denken wir also bildlich: Ich sehe was, was du nicht siehst...

Zuerst das Handy: Es sorgt für Verbindung, auch wenn man voneinander getrennt ist. Das ist lebenswichtig: Verbindung brauchen wir nicht nur beim Zusammenleben in der Familie, in der Schule oder in der Gesellschaft, auch in der Kirche. Ohne daß wir Verbindung halten, auch wenn man voneinander getrennt ist, gehen wir als Christen unter. Das Handy als technisches Gerät kann das für die christliche Gemeinde leider nicht leisten (wenn es sonntags morgens klingelt, um zum Gottesdienst einzuladen, wird es der Pfarrer sein), Verbindung aber schafft der Heilige Geist. Im Gottesdienst beispielsweise sorgt er für das Verbindung-Halten - auch wenn man voneinander getrennt ist, an verschiedenen Orten lebt oder im Ausland. Für die Verbindung untereinander und mit Gott sorgt Gottes Geist - selbst wenn es im Gottesdienst langweilig ist. Also redet mit ihm - notfalls kurz, wie bei einer SMS für die Lieben daheim: —Bin unterwegsž oder: —Du fehlst mirž! (Und wenn ihr mit ihm Schluß machen wollt - schickt ihm vorher noch so einen Kurzruf - und wartet ab, was passiert...!)

Dann das Navi: —Vertrauen Sie dem Naviž, haben mir die Jungs in kritischen Verkehrssituationen zugerufen, wenn ich es mal wieder besser wissen wollte und prompt in den nächsten Stau fuhr. Was hat das Navi, was ich nicht habe? Es hat den größeren Überblick. Seinen Dienst verrichten kann es allerdings nur, wenn es das Ziel kennt. Und das muß ich ihm erst eingeben. - Wie aber steht es mit dem Ziel unserer Lebensreise: Gott? Wer kann uns zu ihm hin navigieren? Hier wird die Bibel wichtig. Nicht nur bei Reisen durch Israel kann man sie wie einen Reiseführer einsetzen, auch bei der Reise durchs Leben ist sie als Navi nicht zu schlagen - auch wenn man immer wieder meint, schlauer zu sein und prompt in den nächsten Stau fährt, in eine Sackgasse des Lebens: Vertraut diesem Navi!

Schließlich die Marmelade, natürlich diese hier: Confifrucht. Der Name - bildlich verstanden - ist Programm: Im Leben als Christen geht es darum, Frucht zu bringen. Was ist das? Gute Taten? Ja, aber ist das nicht nur was für Katholiken? Hatte Luther nicht allein auf Gottes Gnade vertraut? Richtig. Die Frucht guter Taten brauchen wir nicht für Gott, wir brauchen sie aber füreinander. Ohne Engagement geht es nicht - nicht miteinander, nicht in der Gesellschaft, nicht in der Kirche. Zu Pfingsten, am Geburtstag der Kirche, spricht man deshalb mit Worten aus dem Propheten Jesaja von den Früchten oder Gaben des Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Gottesfurcht - und nennt sie mit einem Vergleich aus alter Zeit süß. (Süß meint: alles, was zum guten Leben nötig ist. Das ist also nicht geil, wie man heute sagt, sondern süß) - wie eben diese Marmelade der Sorte Confifrucht. Seid füreinander wie Marmelade - süß! (Kleine Anregung: Schenkt doch dieses Glas einem, der für euch süß war! Eben: Confifrucht.)

Aber wird das nicht schon wieder zuviel Gepäck für die Lebensreise, was da im Laufe eines Lebens alles zusammenkommt? (Als Konfi brauchte man ja nur zwei Dinge - Mappe und Stift - und selbst da haben sich manche zu noch leichterem Gepäck - also nichts von beidem - entschlossen.) Allerdings, unser Koffer droht zu voll zu werden - nicht nur beim Gesellschaftsspiel. - Bei dem bin ich ja als erster ausgeschieden. Gehirnbedingt? Wahrscheinlich, zugleich aber - sagen wir es so - aus theologischen Gründen. Ich weiß ja: Mit zuviel Gepäck wird unsere Lebensreise beschwerlich. Und dann muß man Ballast abwerfen - alles, was man schon im Koffer hatte - selbst Handy, Navi und die Marmelade. WennŽs ernst wird, ist das auf einmal Luxus. Kommt man dann in Situationen, wo einem nichts und niemand mehr bleibt, wo manŽs mit eigener Kraft nicht mehr schafft, dann muß man sich irgendwo festhalten können - wie an einem Rettungsring. Dazu biete ich euch dieses vertraute Zeichen an: das Kreuz.

Natürlich habt ihr alle schon ein Kreuz (z.B. das mit dem Lichtkranz, an einer Seite offen wie das leere Grab)  - aber dieses soll euch an eure Konfirmation erinnern. Darum hat es eine besondere Gestalt. Es ist zusammengesetzt aus mehreren Teilen - wie aus verschiedenen Lebensabschnitten. Alle haben denselben Mittelpunkt. Der zeigt das Zeichen des Kreuzes. Es symbolisiert unsere Rettung durch Jesus Christus. In allen euren Lebensabschnitten seid ihr gerettet: Im Leben ermöglicht es Vergebung und neue Gemeinschaft, im Sterben zeigt es den Weg, den Jesus uns vorausgegangen ist: den Weg vom Tod ins Leben.

—Ich packe meinen Koffer...ž - und was packe ich ein? Das Kreuz, das Zeichen für mein Leben im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
G. Amen.
 
 


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