Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt im Konfirmationsgottesdienst am Pfingstsonntag 2001

—Mensch, der Meier!ž —Nee so was, der Schulzež! 50 Jahre nach ihrer Konfirmation treffen sich, liebe Gemeinde, zwei alte Schulfreunde (und alte Streithähne) wieder. —Was ist denn aus Dir geworden?ž fragt der eine. —Pfarrerž, sagt der andere, —und was machst Du?ž —Ich bin Bankerž, lautet die stolze Antwort. —Banker? Dir und Deinesgleichen verdanken wir, das wir jetzt totgespart werden. Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?ž —Das mußt Du gerade sagenž, kontert der Banker, —dreimal war ich in der Kirche. Beim ersten Mal hat der Pfarrer mich mit Wasser bespritzt, beim nächsten Mal hat er mir die Haare durcheinandergebracht und beim dritten Mal habe ich unvorsichtigerweise Ja gesagt. Das hat mich eine Menge gekostet. Schöne Bilanz!ž

Lassen wir die beiden alten Schulfreunde und Streithähne mal eine Weile für sich diskutieren - und schauen wir stattdessen auf diese Gruppe von jungen Leuten. Und ziehen auch wir am Ende der Konferzeit Bilanz - wie der alte Banker: Was hat ihnen der Kirchliche Unterricht gebracht? Also, da waren (mindestens) 19 Gottesdienste, 55 Stunden Unterricht, eine Reise, von der wir einige Erlebnisse (von zerbrochenen Türen und Betten) mitgebracht haben (und Beweisstücke), ein Wochenende, ebenfalls mit belastendem Material (—Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnungž, heißt es - aber um 6.53 in Himmelpfort?) und ein Ausflug nach Wittenberg.

Eltern und Paten müssen jetzt schnell rechnen: Welche Aufwandsentschädigung kommt da jetzt auf sie zu? Ich meine folgende Bilanz: Wert der Konfirmationsgeschenke geteilt durch Arbeitsstunden = Stundenlohn. So rechnen Erwachsene doch häufig, um ihre eigene Distanz vom kirchlichen Geschehen zum Ausdruck zu bringen. Ich weiß es besser, und ich sehe mehr: Ich sehe hier nämlich keine Stundenlöhner, sondern 9 Millenäre (Konfirmandinnen und Konfirmanden des dritten Milleniums), junge Leute, die stark geworden sind, stark im Glauben. Eine starke Gemeinschaft ist da entstanden um das Evangelium von Jesus Christus herum, ein Pfingstfest im kleinen. Gottes Geist hat diese jungen Leute zusammengeführt - und hält sie weiter zusammen, wenn sie sprechen: —Ja - mit Gottes Hilfe.ž

Seit Pfingsten ist ja alles möglich, da werden Wunder wahr. Und unsere Hoffnung ist grenzenlos - auch für die, die ihre eigenen Wege gingen. »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch...«.

Für uns haben diese Tage des Geistes mit dem ersten Pfingstfest ja bereits begonnen. Seines Geistes Kinder sind wir: als Hund und Katze, Biene und Hahn, Elefant und Eule, Lamm und Ente, Reh und Delphin, Gans und Schmetterling, Koala und Maus. Der reinste Zoo - wie auf der Arche Noah, heute im Rettungsboot Kirche versammelt, —das Segel ist die Liebe, der heilig Geist der Mast.ž So haben das die Menschen im Mittelalter gesungen - von ihrer Kirche als Traumschiff.

Und die mittelalterliche Wittenberger Stadtkirche, die wir vor zwei Wochen besucht haben, hatte in ihrem Dach ein Loch. Ein Stein fehlt absichtlich - um am Pfingstfest an einer Leine eine künstliche Taube herablassen zu können, eine Taube als Symbol der Heiligen Geistes, als sichtbares Zeichen für das Kommen des Unsichtbaren. Martin Luther, der in dieser Kirche predigte, bevorzugte andere Zeichen, die grundlegenden Zeichen unseres Glaubens: Wasser, Brot und Wein - und die Worte der Heiligen Schrift. Unter diesen Zeichen der frohen Botschaft und den Sakramenten kommt Gottes guter Geist auch zu uns, sowie zu denen, die sich manchmal von allen guten Geistern verlassen fühlen - wie zu den beiden alten Schulfreunden, die im Streit lagen. Hören wir ihnen noch einmal zu.

Gerade hat der Banker, der genug hatte von seinen unheimlichen kirchlichen Begegnungen der dritten Art, gefragt: —Habt ihr nichts anderes für mich?ž —Wenn du das nächste Mal kommst, geben wir Dir Brot und Weinž, sagt der Pfarrer, —»Christi Leib für dich gegeben, Christi Blut, für dich vergossen. Das stärke und bewahre dich und führe dich zum ewigen Leben.« So gestärkt, schafftst Du es im Leben und [er lacht] du bist stark genug für unsere letzte Begegnung. Da, verzeih mir alter Kumpel, werde ich dann mit Erde nach dir werfen.ž
Amen.
 
 


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