Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt am 3. Sonntag nach Trinitatis über Hesekiel 18 (in Auswahl)

Liebe Gemeinde!
Hier ist der Predigttext von heute. Da ich mich kurz fassen soll (hat Pfarrer Cyris jedenfalls gesagt): Es gibt zwei gute Nachrichten - und eine schlechte. Welche wollen Sie zuerst hören? ... Nehmen wir das Butterbrot-System: erst die gute, dann die schlechte und dann wieder eine gute.

Die erste gute Nachricht: Auf allerhöchste Anordnung - nämlich auf Anordnung des Allerhöchsten - wird ein Sprichwort außer Kraft gesetzt, das Sprichwort "Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden." Was dieses Sprichwort bedeutet, liegt auf der Hand: Häufig müssen die Kindern ausbaden, was ihnen die Eltern eingebrockt haben. Wer an die eigenen Altvorderen denkt, kann da nur nicken: Ja, das gibt es - und das ist nicht gut so. Schließlich muß jeder doch für das gerade stehen, was er selbst tut. Daß Gott nun dieses Sprichwort von den schlechten Folgen für die Kinder außer Kraft setzt, ist also eine gute Nachricht. Schließlich soll es den Kindern doch einmal besser gehen. Mit den Worten der Bibel gesprochen: "Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allen zugute kommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen." Ende der Kollektivschuld.

Und die schlechte  Nachricht? Sie folgt auf dem Fuß: "Jeder, der sündigt, soll sterben." Wenn also nun nicht mehr die Kinder, sondern wir selbst ausbaden müssen, was wir anrichten, auch dann sieht's schlecht aus - und nun für uns selbst. Der Sünder muß sterben.

Das ist kein 1:1, kein "unentschieden" zwischen guter und schlechter Nachricht. Beim jetzigen Stand der Nachrichten von Gott heißt es für uns: aus und vorbei. Wohl oder übel gilt: Wir sind des Todes.

Gottlob wartet da noch eine dritte Nachricht auf uns. Eben habe ich sie eine gute genannt. Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Hören sie selbst: "Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er am Leben bleiben und nicht sterben."

Gott will also, daß wir uns bekehren. Und wir müssen uns bekehren, wollen wir mit dem Leben davonkommen. Nicht meine katholische Tante hätte also für die Sünden ihres Vaters ins Kloster gehen müssen, sondern er selber. Ist er aber nicht. Was nun? Und was ist mit all den anderen, die sich nicht bekehren? Die immer nur davon reden, daß sie mal wieder in die Kirche gehen wollen oder daß sie ja nur des Geldes wegen ausgetreten seien und man könne ja auch so ein guter Mensch sein usw. Sind Sie es denn wirklich? Hält hier jemand alle Gesetze Gottes? Was erreicht Gottes Einladung, sich zu bekehren, bei uns?

Eine Karikaturist zeichnet folgende Szene. Kommen ein paar Betrunkene aus der Kneipe. Vor der Tür steht ein strenger Bußprediger mit einem Plakat. Darauf steht: "Kehrt um!" "Gute Idee", sagen die Trinker, "nehmen wir noch einen Absacker" - und verschwinden wieder in der Kneipe.

Bekehrung - nein danke! Und auch nicht jeder, der von sich sagt, er habe sich bekehrt, ist es schon. Schicksal kirchlicher Bußpredigt? "Es ist zum ungläubig werden", meint selbst der Ratsvorsitzende der EKD. Was nun? »Laßt uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!« - Das empfehlen schon Jesaja und Paulus. Und das Gemeindefest wird zum Totentanz, zum Tanz auf dem sinkenden Schiff.

Tja, liebe Gemeinde, so gut war die dritte Nachricht also auch wieder nicht. Wie wir es auch drehen und wenden: Wir sind des Todes! 0:3 - es steht schlecht für uns. Und hätte Gott das Spiel des Lebens an dieser Stelle abgepfiffen, wir wären schon längst untergegangen - trotz der Chance auf Bekehrung. Aber da ist noch eine gute Nachricht, nur sie verdient wirklich diesen Namen - und so heißt sie auch: Evangelium, gute Nachricht von Jesus Christus. Wer Jesus Christus vertraut und seine rettende Hand ergreift, der ist seinen bösen Taten nicht mehr ausgeliefert. Weder müssen seine Kinder ausbaden, was er angerichtet hat, noch er selbst. Er wird nicht sterben, sondern leben. Er hört die Worte des Propheten als Einladung zum Leben mit Gott: "Meinst du, daß ich Gefallen habe am Tod des Gotlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, daß er sich bekehre von seinen Wegen und am Leben bleibe?" Wie aber geht das, das mit der Bekehrung?

Nicht wir selbst, allein Jesus Christus, Gottes Geist, Gott selbst kann uns bekehren - und er tut es auch durch: sein Wort und Sakrament. So bekehrt er uns zu sich, macht er uns zu seinen Kindern. So verstanden heißt Bekehrung: Gott machen zu lassen.

Am Ende steht also das eine Evangelium als eine Nachricht mit zwei Seiten, einer schlechten und einer guten: Schlecht ist die Nachricht nur für alle Macher, die alles und jedes - und auch ihre Bekehrung - selbst machen wollen. Ihre selbstgemachte Bekehrung bleibt aus, sie haben ausgespielt. 0:3 eben. Gut ist diese Nachricht aber für alle anderen, für die, die wissen, daß sie vor Gott nichts machen können, nicht einmal ihre eigene Bekehrung. Gott sei Dank!

Manchmal wendet sich das Spiel des Lebens ja noch in letzter Minute (oder in der 88.). Und das ist ein guter Grund zum Feiern: alle Tage unseres Lebens, jeden Sonntag - und ganz besonders heute. Wir feiern Gott und lassen ihn machen!
Amen.
 
 


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