Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt am Sonntag Miserikordias Domini über Hebr 13, 20-21

Liebe Gemeinde!
—Frohe, gesegnete Ostern!ž Nein, das ist jetzt nicht urbi et orbi aus Rom oder die zweite Wiederholung von Ostern, sondern unser heutiger Predigttext: Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!
G. Amen.

Richtig: Amen. Das heißt: So sei es! Amen. Ende der Predigt - und nichts fehlt; denn unser heutiger Predigttext ist ein Segenswort. Über Segen kann man zwar auch sprechen, wie man eben auch über das Beten oder den Glauben allgemein sprechen kann - aber das ist immer so wie Osterurlaub ohne Osterfeier, wie Schwimmunterricht ohne Schwimmen oder Fallschirmspringenlernen, ohne wirklich zu springen (oder wie Kochrezepte austauschen ohne zu kochen.) Wenn man nur darüber redet, fehlt was - und zwar das Wichtigste: der wirkliche Segen. Und im Zusammenhang des Hebräerbriefes setzt dieses Segenswort sogar den Schlußpunkt: Was vorher gesagt wurde, wird hier wiederholt und zusammengefaßt: Es ist ein österliches Wort. Es sagt, was Ostern bedeutet - und es macht Ostern. Nur eben Ostern ohne Ostereier, ohne Folklore, dafür Ostern auf den Punkt gebracht: Ostern als Segen.

Um das zu verstehen, lösen wir jetzt das komprimierte Segenswort in kleine Stücke auf:  Der Beginn sagt uns, wer Gott ist und wo Gott ist. Er ist —Gott des Friedensž, also Friedensgeber. Friede meint in der Bibel all das, was auch wir uns darunter vorstellen: Ungestörtheit, Gerechtigkeit, Ruhe, Heil - für den Einzelnen, sein Volk und das Zusammenleben der Völker. Friede - ein Merkmal des Himmels für diese gequälte Erde. Und wo ist dieser Gott? Im Wirken an Jesus: Gott ist der, der ihn von den Toten heraufgeführt hat. Dahinter steckt die Vorstellung: Wie Gott sein Volk durch Mose aus Ägypten herausgeführt hat, so durch Jesus aus dem Reich des Todes. Gott ist in Ostern, in Jesu Tod am Kreuz. Wieso stiftet das Frieden?

In Anlehnung an das Opfern der Lämmer zur Versöhnung des Volkes mit Gott, zur Erneuerung des Bundes, ist hier vom ewigen Bund die Rede - und Jesus war das Lamm. Der Hohepriester im jüdischen Tempel opferte die Masse der Lämmer. So gibt er ihr Blut dem Schöpfer zurück, ihr Blut, das Leben. Damit wird der Friede zwischen Gott und den Menschen wiederhergestellt. Das ist jüdisch gedacht: Blutvergießen stiftet Frieden. Der Hohepriester aber opfert nicht sich selbst. Jesu Opfer ist also anders: Jesus opferte sich selbst, vergoß sein eigenes Blut. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe, haben wir im Johannesevangelium gehört. Darum nennt ihn das abschließende Segenswort des Hebräerbriefes den großen Hirten.

Damit sind die Rollen klar verteilt: Jesus ist der Hirte und das Lamm - und wir sind die Schafe, die nun nicht mehr zu sterben brauchen. Das ist sehr praktisch gemeint: Wir müssen für den Frieden mit Gott kein Blut vergießen, wir haben - um Gottes Willen - überhaupt kein Opferleben zu führen. Meine katholische Großtante hat das zwar getan und all ihre Leiden für die armen Seelen im Fegefeuer aufgeopfert - und katholisch ist das auch gut so - aber eben nicht evangelisch; denn das hieße, sich selbst zum Hirten zu machen. Kein Schaf hat sich mehr zu opfern. Das ist das christliche Nein zu allen, die meinen, sich um Gottes willen opfern zu müssen. Als christliche Schafe sind wir —Gottes liebste Geschöpfež - kein Menschenmaterial oder Kanonenfutter. —Gott braucht Menschen, die auf seinen Himmel warten und deshalb auf seiner Erde leben.ž

Wer zur Nachfolge Jesu gesegnet wird, hat also etwas anderes vor sich: Er ist nicht Opfer, sondern tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen. - Wenn man sich daraufhin aber so umschaut unter uns Christen: Sind wir das wirklich, derart tüchtig in allem Guten? - Unser Segenswort meint: Wir müssen es immer wieder werden. Darum der Ostersegen. Zum Guten, zum Tun von Gottes Willen müssen wir nämlich immer wieder tüchtig gemacht werden - und zwar von Gott selbst. Darum die Segensbitte: Er schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus.

Das Gute ist also nicht unsere Erfindung. Wir verdanken es Gott, was wir an Gutem zu tun vermögen. Andererseits bekommen wir hier nicht konkret gesagt, was es denn sei. Dann müssen wir es wohl selbst herausfinden. Bloß: Wir sind auch dabei nicht gerade besonders erfolgreich. Schon der Volksmund weiß doch: —Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.ž Er ahnt, wie wenig geschickt zum Guten wir häufig sind.

Kommt da bei mir ein Anruf an: —Wir möchten ein gutes Werk tun. Darum möchten wir der Kirche unsere alte Couchgarnitur verkaufen.ž - Ist das nun wirklich so gemeint oder will sich da jemand nur den Sperrmüll ersparen - egal, das Angebot beweist in jedem Fall große Unkenntnis. (Wir haben im Laufe der Zeit ja schon so viele Möbel angeboten bekommen - aber nicht ein Einziger hat in den letzten Jahren welche abholen wollen!) Um wirklich Gutes tun zu können, reicht der gute Wille allein also nicht, sondern man braucht auch Kenntnisse - und daran mangeltŽs eben häufig. Darum kann das Segenswort hier gar nicht konkreter sagen, was denn das Gute sei. Unsere Sachkenntnis kann es nicht ersetzen.

Das wirklich Gute, wie es hier gemeint ist, muß also immer wieder erbeten werden - oder anders gesagt: Es muß Segen darauf ruhen. Gott selbst muß es in uns schaffen. Das proklamiert der Ostersegen des Hebräerbriefes.

Und was bewirkt nun dieses Segenswort, wenn es über uns gesprochen wird? Es bewirkt, was Gott immer bewirkt: das Kommen seines Reiches, seiner Herrschaft. Segen bringt diese Herrschaft Gottes - und man muß dazu nicht einmal daran glauben. Es ist wie mit unserem Beten: Alles, was wir sagen - beredt oder im Schweigen - mündet in die Bitte: —dein Reich kommež. Und die Erfüllung dieser Bitte ist dem Glauben gewiß. Darum: Wer glaubt, der hat schon, der hat schon etwas vom Beten und vom Gesegnetwerden. Er weiß, daß wahr werden wird, was da verheißen ist.

—Frohe, gesegnete Ostern!ž Ein einladender Gruß an alle Menschen, Gottes liebste Geschöpfe zu werden: Schafe. Seine Schafe müssen nicht mehr —dran glaubenž. Ihr Blutvergießen stiftet keinen Frieden. Seine Schafe dürfen leben. Man könnte glatt den alten Schlager umdichten: (singen) —Ich wollt, ich wär sein Schaf, dann wär ich immer brav.ž - Darum endet das österliche Segenswort des Hebräerbriefes mit einem Lobruf auf den großen Hirten Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

- Und weil man, um nicht das Wichtigste zu verpassen, über Segen nicht nur reden sollte, wird uns dieses Segenswort im Gottesdienst und in die neue Woche hinein begleiten So lassen wir es Ostern werden: Der Gott des Friedens ..., der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!
- G. Amen.
 
 


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