Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt am Ewigkeitssonntag 2003 über Röm 6, 3-5

Liebe Gemeinde!
—Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangenž, so hat Martin Luther die mittelalterliche Tradition des Totentanzes aufgenommen. Totentanz - das war ja das makabre Bild, wie der Tod einen nach dem anderen von uns Menschen auffordert, mit ihm zu gehen, die Bösen und die Guten, die einen alt, die anderen jung - wie ungerecht! Doch auch die Mächtigen und Reichen - all ihr Reichtum und ihre Macht richtet gegen den Tod nichts aus. Der Tod macht alle gleich. Darum: —Bedenke, Mensch, daß du sterben mußt!ž Und: —Nutze den Tag!ž Denn —nitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangenž.

Martin Luther hält inne, bedenkt das alte Wort, hört auf die Botschaft des Evangeliums - und korrigiert: —Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen - drehŽs um: Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen, so spricht, so glaubt der Christ.ž Wenn Jesus Christus durch Gottes Macht von den Toten erweckt wurde, als Erster der Entschlafenen, dann hat die Macht des Todes hier seine Grenze. Das gilt für Christus - und für uns. Mitten im Leben zwar sind wir von vielfältigem Sterben umgeben - aber im Sterben der Gläubigen blitzt das Leben auf.

—Wie das? Jetzt will ich leben,ž sagt der Zweifler. —Bedenken, daß ich sterben muß? Schon, aber nur so: Nutze den Tag! So will ich leben. Ihr mit eurer ungewissen Jenseitshoffnung vermiest einem doch das ganze Leben. Laßt euch doch begraben!ž

Sind wir doch schon, entgegnet der Gläubige, das haben wir doch schon hinter uns - und denkt dabei an die Worte des Apostels Paulus: "Wißt ihr nicht, daß alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja schon mit ihm begraben - durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein."

Auferstehung der Toten? Das ist noch Zukunftsmusik. Noch stehen wir an den Gräbern unserer Toten. Aber neues Leben, Leben in Christus, das kommt nicht erst. Das ist schon. Seit unserer Taufe. —Begrabenž wurden wir da schon - in Christus, d.h.: im Leben Gottes. In Gottes Leben haben wir sie längst gefunden, die sogenannte —letzte Ruhestättež. Und Gottes Leben weist den Tod in die Schranken.

Am Ende wird der Tod selbst keinen Bestand haben, und auch nicht seine Urteile  - wie die vom Lohn frommen Lebens und von der Gnade frühen Todes - denn richten wird Jesus Christus, der Richter, der gerecht macht.

Wenn wir jetzt tanzen, dann mit Christus. Mit ihm tanzen wir durchs Leben. Dem Tod geben wir einen Korb. (Ich tanze doch nicht mit jedem.) Christus ist der Herr des Tanzes, auch des Totentanzes.

Lord of the dance hat Sydney Carter gedichtet - und legt Jesus die Worte in den Mund:
—Sie schlugen mich klein, doch ich sprang hinauf.
Ich bin das Leben, darum gebt euch nicht auf.
Ich lebe in dir, du lebst in mir.ž
Ich bin der Herr des Tanzes, sagt er.

Tanz, tanz, wo immer du auch bist.
Ich bin der Herr des Tanzes für dich,
und ich führe dich, wo immer du auch bist,
ich bin der Herr im Tanz für dich.
Amen.
 
 


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