Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt im Taufgottesdienst für Konfirmandinnen und Konfirmanden am 2. Sonntag nach Trinitatis über Eph 2, 17-22

Liebe Täuflinge, liebe Gemeinde!
Als Martin Luther das Lied "Ein feste Burg" schrieb, waren Burgen noch die sichersten Plätze, die Menschen sich vorstellen konnten. War die Zugbrücke einmal hochgezogen und drinnen ausreichend Proviant vorhanden, konnte ein Feind nichts anderes tun als die Burg zu belagern und abzuwarten - bis ihm selbst die Vorräte ausgingen. Es war wie zu der Zeit, als der Psalm entstand, der Martin Luther als Vorlage diente: Burgen gaben Sicherheit. Darum gleichen auch alte oder einsam gelegene Kirchen häufig einer Burg. In Notzeiten gaben sie der Bevölkerung Zuflucht.

Können wir heute noch sicher wohnen? Ungesichert wohnen ist doch kein Ideal mehr. Sicheres Wohnen nur für Spießer? Sagt das Kind in der Werbung: "Papa, wenn ich groß bin, werd ich auch Spießer." Heute droht doch überall Gefahr, da gibt es keine sicheren Orte mehr, nirgends - bis auf den einen, den, von dem der Psalmist und Martin Luther ja nur im Bilde einer Burg sprechen: Gott. "Ein feste Burg - ist unser Gott." Gott ist unser sicherer Ort. Er ist unser zuverlässiger Halt und unser Schutz. Wenn alle uns verlassen, er hält zu uns.

Und wie kommen wir dahin, zu Gott, der wie eine Burg ist? - Er kommt zu uns. In der Taufe kommt er zu uns, da nimmt Gott durch Jesus Christus im Heiligen Geist in uns Wohnung. Wir sind in Sicherheit, weil Jesus Christus im Glauben in uns wohnt. Weil der Stärkste bei uns ist, können wir uns sicher fühlen.

Darum redet Paulus die Christen auch als Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen an. Ein Hausgenosse - das ist mehr als ein Nachbar, ein Hausgenosse gehört mit zur Familie. Er hat ein Recht auf Schutz und Hilfe.
In Christus sind wir ein heiliges Haus - wie der Tempel im Alten Bund, eine Art Christus-WG. Da müssen wir nicht mehr vor anderen auftrumpfen, was wir alles haben: "Mein Pferd, mein Haus, meine Frau....", da können wir Gott dankbar sagen: "Mein Gott - meine Burg." Und wissen uns als Burgherren und Burgfräuleins, besser gesagt: als Gottes Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Und bei uns, da gefällt es ihm. Gottes Traumhaus - das ist der Mensch, die christliche Gemeinde. Wir sind die Gottes-Burg. Davon spricht Paulus heute in der Epistel und vergleicht die Gemeinde mit einem Bauwerk: Christus ist der Eckstein, die Apostel sind der Bau-Grund. Zur Gemeinde werden wir in Christus und seinem Geist 'erbaut'. Wir also, wir Menschen - und nicht dieser Bau aus Steinen - sind die Kirche, von Gott erbaut, die sichere Burg.

"Was bin ich?" - dieses ewige Gesellschaftsspiel, das Menschen mit Beruf, Leistung, Geld oder einem berühmten Namen spielen, erhält in der Feier der Taufe eine neue, geheimnisvolle  Antwort, auf die so eilig kein weltliches Rateteam kommt - die wissen ja nur, was sie sehen. Ich bin Gottes Freund, seine Wohnung. Weil Gott unsere Burg ist, konnen auch wir Gläubige füreinander eine schützende Burg sein - und sogar für die Welt. Das macht die Kirche aus.

In der Taufe laßt ihr gleich Gott Wohnung nehmen in euch. Damit gehört auch ihr zur Kirche Jesu Christi und habt Gott als eure "feste Burg".

Marin Luther, der Dichter des Liedes von der "festen Burg" hat in seinem Leben noch viel Verfolgung und Anfeindung erlebt. In seinen dunkelsten Stunden hat er ein Stück Kreide genommen und vor sich auf den Tisch geschrieben: "Ich bin getauft." Er wußte: An seinem Glauben kann ein Mensch zweifeln; daran, daß er getauft ist, nicht.
 

Außer dem Vergleich mit der Burg, dem Bild vom Bau kennt die Bibel auch noch andere Vergleiche, die uns zeigen, was die christliche Taufe bedeutet. Die haben wir nach Art einer Pantomime vorbereitet, um sie der Gemeinde zu zeigen. Mal sehen, ob sie das errät:

- Schmutz abwaschen (Sven)

- ein neues (Christus-)Kleid anziehen (Roderich)

- jemanden in eine Gemeinschaft neu aufnehmen (alle und Wanda)

Was in der christlichen Taufe an uns und in uns geschehen ist, das sieht man nicht mit bloßen Augen. Das muß man wissen - und erst dann kann man es sehen: Ich sehe nur, was ich weiß... Zeigen können wir ja die christlichen Zeichen - wie das Übergießen mit Wasser, durch das Christus nun in euch Wohnung nehmen wird.
Amen.
 
 


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