Professor Dr. Rainer Hauke, Pfarrer
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Predigt im Taufgottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias (Taufe Jesu) über 1 Kor 1, 26-31

Liebe Täuflinge, liebe Gemeinde!
—Wasser ist zum Waschen da, valleri und vallera, auch zum Zähnepu-tzen kann man es benu-tzen. Wasser braucht das liebe Vieh, vallera und valleri, auch die Feuerwehr benötigt  Wasser sehr ž. So heißt es in einem 50 Jahre alten Schlager. Der war nun zwar nicht gerade ein Tauflied (eher ein Sauflied), macht seitdem aber alltägliche Vorgänge rund um das Wasser zu etwas Besonderem, zu einem Fest des Lebens und der Lebensfreude: Wasser ist Leben.

Sich mit Wasser zu reinigen, ist nicht nur ein alltäglicher Vorgang, sondern hat seit alters ja auch eine religiöse Bedeutung. Für Juden, Muslime und Christen stellt das Waschen mit Wasser auch das Abwaschen von Schuld und Sünde dar. Alles, was uns von Gott trennt, verschwindet - wie Wasser den Schmutz wegspült. Für Johannes den Täufer, von dem wir in der Lesung des Evangeliums gehört haben, stellte die Taufe am Jordan sogar einen neuen Anfang da: Über 1000 Jahre vor seiner Zeit war das Volk Israel ja —über den Jordan gegangenž, um das Gelobte Land in Besitz zu nehmen - aber was hatte es aus diesem Geschenk Gottes gemacht? Wieder und wieder den Bund, den Gott mit ihm geschlossen hatte, gebrochen, seine Gebote mißachtet. Die Taufe des Johannes stellte den neuen Anfang nun ganz sichtbar dar: Man ging den Weg der Vorfahren noch einmal, zog wieder «über den JordanŽ. D.h.: Wir können es noch einmal versuchen, zurück auf Anfang, wir bekommen eine neue Chance.

Da taucht nun Jesus auf und im Jordan unter. Als er sich taufen läßt, —tat sich ihm der Himmel auf und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.ž Das war neu, das war einmalig: Da war Wasser nicht nur zum Waschen da, da war Wasser nicht nur Zeichen des Neuanfangs Gottes mit seinem Volk - da kommt mit dem Wasser Gott selbst. Und bleibt.

Und genau das geschieht nun auch mit uns in der christlichen Taufe, in der Taufe im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wo diese Worte gesprochen werden und ein Mensch mit Wasser begossen wird, da kommt mit den Worten und dem Wasser Gottes Geist, Gott selbst, in diesen Menschen. Und bleibt. Endgültig.

Der Apostel Paulus hat das in seinem Brief für die Christen in der griechischen Stadt Korinth so beschrieben: Das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist. Gott hat euch erwählt, seine Wahl ist auf euch gefallen - obwohl ihr gar nichts Besonderes seid, ja in den Augen eurer Nachbarn als arm und schwach geltet. Gott hat die Ordnung der Welt auf den Kopf gestellt. Ihr seid jetzt wer! Und was sind sie, die armen Leute in Korinth damals und die Millionen Getaufter seitdem?

Sie sind «inŽ, sagt Paulus, in Christus. Auch wenn es vielleicht hier und heute einen anderen Anschein haben mag, Christen sind «inŽ. Denn was heißt «inŽ sein? Wer «inŽ ist, lebt im Zentrum des Geschehens, da, wo der Puls der Zeit schlägt, ihn der Nerv des Lebens berührt. Paulus meint: Das ist in Jesus Christus. In ihm ist das Leben.

Und wie geht das nun? Wie kann man «in ChristusŽ sein? Dadurch, daß Gott zu uns kommt, uns erwählt, sind wir «inŽ Christus: Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. Daß umgekehrt Gott in einem Menschen ist, das kannten die alten Griechen aus ihrer Religion. Da gab es die Geschichten von Helden und Übermenschen, die unglaubliche Taten vollbrachten - und später die Herrscher, die sich wie Götter verehren ließen. Die Wirkung der christlichen Taufe aber sieht Paulus anders. Sie macht keine Übermenschen aus uns, keine großen Herren, die die anderen doch bloß quälen - die Taufe macht alle Großmannssucht zunichte: Durch die Taufe leben wir in Christus - wie an einem sicheren Ort, wie in einem Haus, das uns Schutz gibt. Wir gehören zu ihm, als wären wir seine Schwestern und Brüder, seine Erben.

An anderer Stelle sagt Paulus, wir haben Christus —angezogenž - wie man ein Kleidungsstück anzieht. (Zum Zeichen dafür bekam man früher bei der Taufe ein weißes Kleid.) Alles was sein ist, ist jetzt unser. So haben wir Anteil an seiner Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Worte über die Wirkung der Taufe. Ein christlicher Liederdichter - und dieser Schlager ist schon fast 500 Jahre alt - hat einmal getextet: —an dir wir kleben im Tod und Lebenž (EG 398). Klebe also. Und diese Verbindung hält - besser als Pattex.

Anders gesagt: Wir sind erlöst. Das heißt, wir müssen uns jetzt nicht mehr anstrengen, um zu Gott zu kommen, keine großen Taten mehr dafür vollbringen: nicht meditieren oder uns aktivieren, uns nicht auf einen langen Marsch zum Erreichen der Wahrheit machen. Er ist ja zu uns gekommen. In der Taufe lassen wir uns von Gott in Jesus Christus ergreifen - wie von einer ausgestreckten Hand. Ich will das mal mit Denise veranschaulichen... (Varianten: Hand entgegenstrecken als Einladung zum darin Einschlagen, Denises Hand ergreifen wie ein Rettungsschwimmer) Darum ist die Taufe ein Fest des Lebens, ist dieses Wasser nicht nur zum Waschen da, sondern Lebens-Zeichen.

Warum glaubt der Mensch eigentlich? Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift GEO sucht Antworten, Antworten auf die Frage: Was ist das Gemeinsame an den vielen verschiedenen religiösen Erfahrungen, an den vielen Religionen? Die Antwort fällt leider, aber wohl auch unvermeidbarer Weise recht abstrakt aus. Sie lautet: Weil der Mensch gesehen werden will. Der Mensch will erkannt werden, er will, daß das große Eine, das Geheimnis der Welt, das alles gemacht hat, ihn im Auge hat, jeden einzelnen. Und: Er will sich davon ergreifen lassen. Diese Antwort - so abstrakt wie sie ist - klingt wie eine Beschreibung der christlichen Taufe. Da lassen wir uns von Gott in Jesus Christus ergreifen. Die christliche Taufe aber ist viel anschaulicher, zeigt mit Wasser das Wegspülen des Alten und das neue Leben an, stellt uns Christus als das Licht der Welt vor Augen. Und macht uns zu Kindern des Lichtes.

Und weit weg von Berlin, in der Stadt Lalibela in Äthiopien, in einer der ältesten christlichen Kirchen der Welt, gibt es am Fest der Taufe Jesu (weil sie einen anderen Kalender haben, feiern sie es in diesem Jahr erst am 16. Januar) einen besonderen Brauch: Nach vielen Gebeten und einer feierlichen Prozession springen am Ende alle in das große Taufbecken und planschen fröhlich wie in einem Pool, alle Kinder jedenfalls. Timkat heißt dieses Fest. (Wir haben uns ja auch schon mal überlegt, ob wir für eine Tauffeier nicht das Prinzenbad anmieten. Das wäre sicher nicht nur für die Täuflinge ein großes Erlebnis. In Amerika gibt es ja Gemeinden, die in ihrer Kirche selbst so einen großen Pool haben. Und mit Konfirmandinnen und Konfirmanden haben wir schon einmal eine Taufe in der Ostsee gefeiert.) Aber im allgemeinen sind die preußischen Protestanten eben nüchterner. Sie begnügen sich mit etwas sparsameren Zeichen.

Aber sie erfinden auch neue Zeichen - wie den Brauch mit dem Taufspruch, der wie eine Überschrift über dem neuen Leben in Christus stehen soll. Denises Taufspruch lautet: —Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, daß ich nicht fallen werde.ž (Ps 62, 7) Und Andrea hat sich das Wort gewählt: —Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.ž (Sprüche 31, 8) Ihr kurzer Kommentar dazu: —Das paßt zu meinem Beruf als Altenpflegerin. Und: Von solchen Menschen sollte es mehr geben...ž. In der Tat: Wer das tut, wer so lebt, gibt die Liebe Christi weiter. Auch dazu lädt die Taufe ein: immer mehr Menschen zu gewinnen, die sich von Gott in Jesus Christus ergreifen lassen wollen. Wer «inŽ ist, in Christus, bleibt nicht allein.

Was anders könnten wir dazu sagen als...
G. Amen.
 
 


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